gleichgültig sein, ob er die Wahrheit ergriffen habe, oder sich amJrrthum ergötze, oder die Bestimmung seines unsterblichen Geistesum einen Jrrthum verkaufe? — Damals gehörte noch der Ab-fall vom beseligenden Glauben zum Ungeheuersten, dessen diemenschliche Natur fähig ist.
Jesus selbst forderte seine Freunde zur ewigen Treue auf;das heißt, er ermunterte sie, nur standhaft zu sein gegen alleirdischen Schrecken. Er sah den Aufruhr des Heidenthums gegendie Verehrung des einzigen und lebendigen Gottes, den Streitder wilden Leidenschaften gegen die Wahrheit voraus. Darumsprach er zu seinen Schülern: Ihr sollet nicht wähnen, daß ichgekommen sei, Frieden zu bringen auf Erden. Ich bin nichtgekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert. Denn ichbin gekommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater,und die Tochter wider ihre Mutter, und die Schnur wider ihreSchwieger; und des Menschen Feinde werden seine eigenenHausgenossen sein. (Matth. iO, 34 — 36.) Aber, fügte erhinzu, fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib tödten,sondern vielmehr vor jenen, welche durch die Macht des Jrr-thums die Seele tödten!
Er ermunterte zur Standhaftigkeit und Treue; aber erbefahl sie nicht. Denn Liebe und Treue kann man nicht durchGebote erzwingen; das Herz muß sie freiwillig bringen. —Wer einmal von großen Ueberzeugungen und Wahrheiten durch?drungen ist, der kann sie auch nie wieder fahren lassen. Es istwohl möglich, Jemandem sein Leben, aber unmöglich, Jemandemseine Uebcrzeugungen zu rauben. Wer nicht von der Lehre Jesuganz erfüllt und gleichsam eins mit ihr ist, wer nicht in derhöchsten Selbstvollendung des Geistes durch Tugend sein Ziel,nicht in dem Blick weit über die Tage dieses Lebens hinaus zurEwigkeit seine Seligkeit findet: der ist kein Christ, möge erauch durch die Taufe geweiht sein l Darum sprach auch Jesusmit ernster Bestimmtheit: Wer Vater und Mutter mehr liebt,als mich, der ist meiner nicht werth. Und wer nicht sein Kreuzauf sich nimmt, und folget mir nach, der ist meiner nicht werth.Wer sein Leben findet, das heißt, nur Wohlsein im Irdischen