Druckschrift 
2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
208
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Wie man zum Abfall der Religion verleitet.

Matth, w, 3739.

Ich weiß, ich weiß, an wen ich glaube,

Ich glaube fest und zweifle nicht;

Der Sinnenmenschen Irrlicht raubeMir nie der Wahrheit ew'ges Licht!

Des Lebens Räthsel werden nieSo klar gelöset, als durch sie.

Ja, du, der Geister Stolz und Wonne,

Begleite mich bis an das Grab;

Dann leuchte du, gleich einer Sonne,

Vor mir ins Todesthal hinab,

Und mir empor zum Gottcsthron,

. O heilige Religion!

^Hn jenen Tagen, da sich der Glaube an Jesum mit jugendlicher* Kraft über den Trümmern Jerusalems und seines Tempels,über den Trümmern abgöttischer Altäre und Reiche erhob: inwelcher Herrlichkeit strahlte er über die Verwandlungen der Weltherab! Mit welchem Entzücken bekannten ihn die Herzen allerErleuchteten! Wer hätte sich damals von der Liebe zu Jesuscheiden lassen? Nicht Ketten und Foltern, nicht Gefängniß undLöwengruben, nicht Scheiterhaufen, nicht Blutgerüste, nichtTodesarten der gräßlichsten Art, schreckten den gläubigen Be»kenner zurück. Fürsten selbst verließen ihre Paläste, warfen denPurpur ab, weihten sich dem Elende, und zogen hinaus in dieWelt, das Wort des Gekreuzigten zu predigen, als neue Jüngerdesselben.

Wenn denn auch damals schon der fromme Eifer vielerGläubigen sich zuweilen auf Abwege verirrte, Manches erfand,behauptete, lehrte, verrichtete, was nicht in den heiligen Sinndes Glaubensstifters gekommen war dennoch blieb die edleBegeisterung der gestimmten Kirche und ihre heldensinnige Tugendehrwürdig. Damals war noch Lauheit in der Religion ein Ver-brechen , welches jedes fühlende Herz empörte, und mit Recht!Denn wer kann, ohne seiner Menschenwürde abzuschwören,