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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
199
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werden Jenen beklagen, daß er vielleicht durch Erziehung und»Umstände zum Bösen verleitet worden ; wir sind von ihm über-zeugt, er hätte Kräfte genug gehabt, der edelste Mensch zu werden;aber den feigen Büscwicht verachten wir doppelt, der zum Gutenso wenig als zum Bösen Gemüthsstärke genug besaß.

Was ist es, das uns an großen und berühmten Männernbesonders gefällt? Die unabänderliche Macht ist es, mit dersie Alles ergreifen; die Größe und Beharrlichkeit ihres Willensist es, mit der sie durch Noth und Gefahr hin ihrem Ziele Nach-eilen. Diese ihre edle Standhaftigkeit, ihre wunderbare Aus,dauer in Schicksalen, die Treue, mit welcher sie ihren schönenVorsätzen ergeben bleiben, begeistert uns bis zum Entzücken.Selbst ihre Eigenheiten, ihre kleinen Schwächen gefallen uns.Denn sie hangen mit ihrer übrigen Kraft, mit ihrer übrigenDenkart zusammen. Wir lieben, wir bewundern diese Personen,Denn wir wissen, was sie sind, wie sie sind, wohin sie strebten.

Hingegen haben wir einen natürlichen Widerwillen gegenalles Falsche, Alltägliche, Abgeschussene im Karakter der Menschen,rnit denen wir nie recht wissen, woran wir sind. Es ekeln unsdiejenigen an, die kalt und warm aus einem Munde blasen, sichfür nichts bestimmt erklären, nichts festhalten, und sich durchnichts halten lassen; von denen man weder sagen kann, sie seienHut oder schlecht.

Oder wer mag Freundschaft schließen und Vertrauen miteinem Menschen, der nie lebhaftes Vertrauen und ausgezeichneteLiebe erwiedcrn will? Wer rnag demjenigen sein Herz geben.Der niemals Herzlichkeit zeigt? Ein lauer Freund ist keinFreund.

So ift's im Umgang, so im Leben. Und eben so ist's auchim Christenthum. Ein lauer Christ ist kein Christ.

Ich weiß deine Werke", ruft uns das göttliche Wortzu,und daß du weder kalt noch warm bist; ach,daß du kalt oder warm wärest!"

Aber können wir es läugnen, wenn wir durch die Reihenunserer Freunde, unserer Bekannten Hinsehen- wie wenig;eifrige Christen finden wir! Wie wenige sind von ganzer