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daß der Mensch seine eigene Natur wohl kennen lerne, damit erdesto leichter die Hilfsmittel auffinden möge, seinen Zustand zuverbessern. Es hat bei mir bisher nicht an Willen gemangelt,mich mit jeder Tugend zu schmücken, die mich vor Gott undMenschen wohlgefällig machen und nur achtungsvolle Zufrieden-heit gegen mich selbst einflößen kann. Ich habe mehr als einmalversucht, anhaltend aufmerksam auf mich zu sein, um meineFehler zu vermeiden; allein dann wurden oft der Zerstreuungenzuviel, in denen unmöglich die strengste Selbstbeobachtung sostatt finden konnte, wie in der Stille der einfachen häuslichenBeschäftigungen. Ich habe mehr als einmal versucht, in allenTugenden mich zu üben; aber dann wurden der Pflichten oft sounübersehbar viele, daß ich selbst verzweifelte, in allen gleichgroß zu sein. Zuweilen glaubte ich mich durch fleißiges Gebetim Guten stärken zu können: doch mit der Andacht verschwandnur allzugewöhnlich im Gedränge der Umstände der frommeVorsatz. — Zuweilen suchte ich mich durch Anhörung gutererbaulicher Predigten, oder durch Lesung frommer Schriften,für die Tugenden des wahren Christen zu begeistern; ich empfanddie lebhaftesten Rührungen; mein ganzes Gemüth ward bewert,die Thränc in meinem Auge bezeugte, wie innig mein Wunschzum Bessern sei. Dann aber, wenn die Flamme des Gefühlsverraucht war, (und kein Sterblicher ist doch seiner Natur nachfähig, beständig den gleichen Grad der Empfindung zu behalten!)verlor sich auch der erste Eifer. Ich ward wieder beinahe wievorher. — Zuweilen suchte ich mich durch Einprägung der ein-fachsten Vernunftwahrheiten und Grundsätze zu bekräftigen.Denn ich hoffte, daß ich derselben immer eingedenk sein könnte,indem gründliche Ueberzeugungen wohl bleibender seien, alsbloße Aufwallungen des Gemüths. Dann aber, in Augenblicken,da ich unerwartet der Raub von mancherlei Gefühlen ward, ver-dunkelte die Heftigkeit derselben alle Früchte der Ueberlegung, sowie ein Berauschter die heiligsten Grundsätze vergißt, welche ernüchtern gefaßt hatte.
Aber wenn es wahr ist, daß eine Sünde die Mutter derandern ist: sollte nicht auch eine Tuaend die Mutter der ander»
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