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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
191
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andere Tugenden ab gehen, weil jede einzelne nur durchdas Dasein aller übrigen besteht und völlig ist. In jeder ein-zelnen Tugend hängen die sämmtlichen zusammen, so wie injeglichem Theile des Leibes die Gesundheit des Ganzen gegründetist. Untersuche dich nur selbst, und bald wirst du entdecken, wiewenig innern Werth das hat, worin du am vollkommensten zusein glaubtest.

Du denkst vielleicht bei dir: Ich kann in vielen Stückenfehlerhaft sein ; aber doch soll mir Niemand nachsagen können,daß ich nicht gegen meine lieben Kinder ein guter, zärtlicherVater, oder eine treue, sorgsame Mutter wäre, und alle Pflich-ten gegen sie erfülle, selbst mit Aufopferung meiner bestenFreuden und meiner eigenen Gesundheit. Dies kann sein; aberwahrlich, bist du fehlerhaft in andern Dingen, so bist du auchmangelhaft in der Liebe'und Treue gegen deine Kinder. Dufehlst gegen deine Kinder, so oft du ihnen das Beispiel der Ver-achtung oder des Zorns gegen deinen Ehegatten gibst; du fehlstgegen sie, so oft du deinem Hause durch mancherlei Streitigkeitenmit Nachbarn und Bekannten Haß und Unfrieden erweckst; dufehlst gegen sie, wenn du dich beim Trunk und beim Spiel vergissest,oder Untreue und Unredlichkeit in deinem Amt und Gewerbebegehst, oder dir durch einen boshaften Witz Feindschaften stiftest,oder mit Uebermuth oder mit Kriecherei, oder mit Wanke! sinn indeinen Grundsätzen, oder auf andere Weise deinen Rainen entehrst,den du, als das beste Vermächtnis, deinen Kindern hinterlassensollst. Du liebst sie, aber trägst nichts weniger als dazu bei,daß auch nach deinem Tode noch der Gedanke der Menschen andich ihnen zum Segen werde. Ist das eine wahrhafte Liebeder Kinder? O täusche dich nicht länger; du bist noch weitvon der Tugend entfernt, in welcher du am vollkommensten zusein glaubst. Du hast nur das Gefühl, die angeborne Zuneigung,aber nicht die Tugend selbst. Jene stammt von der sinnlichenNatur, und jedes Thier kennt die Neigung zu seinen Jungen;diese aber, nämlich die Tugend, stam-nt aus dem Geiste. Sieist höchst mangelhaft, weil du in andern Stücken Fehler gestattest.Denn in einer Tugend hangen alle zusammen; gebricht es an