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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
185
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unsere Begierde. Eine falsche Vorstellung ist die Mutter einerfalschen Begierde; und die Unlauterkeit unsers Begehrens erzeugtdas Sträfliche unserer Handlungen. Können wir auch gleich denJrrthum an sich keine Sünde nennen, so ist er doch ein Fehlerdes Verstandes und nicht selten der Urheber der größten Uebel.Traurig genug, wenn uns erst der Schaden der Erfahrung zurErkenntniß unsers Jrrthums führt. Es thun daher diejenigennicht wohl, welche gegen die bessere Belehrung des Volks, gegendie Vernichtung herrschender Vorurtheile, gegen Aushebung desAberglaubens eifern. Möge ein Jrrthum noch so unschädlich zusein scheinen: er ist eine Beschränkung des Verstandes; er istein Fehler des Vorstellungsvermögens, und jeder Fehler leitet zuFehlern. Das Vorurtheil, welches in einem Falle sehr nützlichsein kann, ist in hundert andern Verbindungen, die euerm Augeentschlüpfen, nothwendig Verderben führend. Nur die Wahrheitist gut; nur sie steht im Einklänge mit Gottheit, Natur derDinge und Menschenglück. Was ist die Sünde ? Eine fehler-hafte Neigung; aber die Neigungen, sind sie nicht die Wirkungenvorausgegangener Vorstellungen?

Achte in dir keinen Fehler für eine gleichgültigeSache; entschuldige ihn nicht mit dem BeispielAnderer, nicht mit deiner empfangenen.Erziehung, nicht mitdem Alter, in welchem du eben stehst, nicht mit deinem Tem-perament. Was hilft dir diese Entschuldigung, sobald du denFehler als Fehler erkennst ? Wird er es darum minder sein?Werden nicht seine unseligen Wirkungen früher oder später stra-fend über dich einbrechen ? Ist je aus einem Bösen etwas Guteserwachsen? Sündigest du an deinem Leibe, körperliche Zerrüttungwird folgen; sündigest du gegen Andere, das Uebel wir dir un-verhofft widerfahren.

Nenne nicht eine Neigung, die du zwar selbst nicht öffentlichohne Scham bekennen würdest, welche aber doch, wie sie gegen-wärtig ist, Keinem zum wirklichen Schaden gereicht, darumunschuldig. Aber welchen Schaden bringt sie dir? Kannst dudies berechnen? Siehst du, wie das Spiel deiner Einbildungs-kraft in die übrige dunkle Welt deiner Vorstellungen hineinwirkt?