Genug, diese, als unschuldig gepriesene Neigung ist deines Unglücksschuldig, oder kann es werden, denn sie ist tadelhaft, weil du sienicht ohne Scham vor dir ehrwürdigen Personen aussprechcnwürdest. Und eine Sünde wird im Verborgenen die Mutter derandern. Du wirst von deiner Lust gereizt und gelockt. Wenndie Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber,wenn sie vollendet ist, gebiert sie den Tod.
-Halte keine Neigung, die an sich und in den AugenGottes tadelnswürdig ist, darum für unschuldig, weil sienoch niemals in äußere Wirksamkeit übergegangenist. Denn die du noch heute beherrschest, sie wird dich morgenbeherrschen, weil du sie im Stillen nährest und pflegest, daß sieerwachsen muß. Bald wirst du dich nicht mehr von ihr trennenkönnen, denn ihre Wurzeln haben schon zuviel andere deinerVorstellungen, Gefühle und Wünsche umsponnen. Sie lebtnicht bloß in dir, du wirst bald nur in ihr leben. Es wird dirunertäglich werden, sie nicht in der That zu erfüllen — du bistihr Sklave — die Sünde führt zur Sünde — und der SündenSold ist Verderben, ist Tod.
Nenne auch die leiseste tadelnswürdige Neigung nicht gefahr-los, weil du auf deine übrigen Grundsätze vertrauenkönntest, oder weil deine besonder» Verhältnisse dir nichtgestatten, sie jemals zu befriedigen. Kannst du die fehlerhafteBegierde nicht erfüllen, warum nährst du sie denn? So lebtdoch neben ihr schon ein verbrecherischer Wunsch! — Kennst dudie Zukunft, den Wechsel der Verhältnisse, der unerwartet ein-treten könnte? Bist du in diesen: Augenblicke darum minder laster-haft, weil du es zwar sein möchtest, aber ohne Gelegenheit bist,die Missethat zu verüben? Ist der Dieb im Kerker darum min-der Dieb, weil er, obgleich zum Stehlen begierig, nicht mit dengefesselten Händen stiehlt? — Du bist schon strafbarer, als duwähntest. Wer auch nur ein Weib in Gedanken begehrt, der hatschon die Schuld des Ehebrechers! sprach Christus. (Matth. 5,28.)
Eine Sünde ist die Mutter der andern. Weigere dich, derersten, der leichtesten, der verzeihlichsten dich hinzugeben, undsie werden dich alle meiden. Biete der kleinsten die Hand,