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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
184
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Len Vorrang gewinnt, geschieht cs gar oft zum Nachtheil derAlles belebenden und erwärmenden Einbildungskraft; dadurchentsteht Schwäche der Gefühle, und neben aller Klugheit nimmtHartherzigkeit zum Unglück Anderer, wie zum eigenen, dieStelle ein. Man erkennt daraus, avie wichtig es in derErziehung der Kinder ist, auf ihre ersten Aeußerungen undNeigungen die vorzüglichste Aufmerksamkeit zu richten; wienothwendkg es sei, wenn sich bei denselben irgend eine Eigen-schaft des Gemüths schon von selbst sehr lebhaft bezeigt, diesenicht unvorsichtiger Weise noch stärker und auf Unkosten Andererzu wecken, sondern vielmehr, was schwächer ist, durch Anreizungmehr zu beleben.

Dies ist das Geheimniß der Jugenderziehung, daß man ausden vorherrschenden Neigungen des Kindes die Beschaffenheitseiner Seelenvermögen erforschen, und daß man diese in demrichtigsten Verhältnisse zu einander entwickeln helfe, daß nichtDas Niedrige mächtiger werde, als das Höhere. Ueber Allesherrschen muß das Gefühl und Bewußtsein des Rechten, desWahren, des Guten; nichts darf darüber gehn. Die Erscheinungvon diesem ist die Tugend. Ihm zunächst untergeordnet ist derVerstand, welcher beurtheilt, berechnet, und das Nützliche sucht.Doch immerdar muß und soll die Liebe des Nützlichen unter-geordnet bleiben der Liebe dessen, was recht und gut ist, und dieTugend höher stehen, als die Klugheit. Dem Verstände unter-geordnet und von ihm beherrscht sei die Einbildungskraft unddas Gefühl. Doch nur beherrschen soll er, nicht aber unter-drücken und ertödten. Ein fehlerhaftes Verhältniß in der Stärkeund Ordnung der Gemüthsvermögen ist einer geistigen Ver-krüppelung gleich und die erste Quelle späten Unheils. EinMangel zeugt den andern.

Daher ist selbst schon eine einzige unrichtigeVorstellung hinlänglich, großes Uebel zu stiften.Denn in der engen Verbindung aller unserer Vorstellungenleiden alle durch die Schuld der erstern, die unrichtig war. Sievergiftet die ihr nächste und verwandteste; diese die übrigen. DieBestellungen aber, welche wir von den Dingen haben, leiten