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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
183
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selbst reizet den Ehrdurst des Knaben noch mehr. Wie hoheHoffnungen habet ihr von dem aufstrebenden Geiste des Jüng-lings! Und wenn er schon zuweilen im Stillen sich manchesUnrecht erlaubt, weil es nicht Jedermann weiß ihr zucktentschuldigend die Achsel; ihr denkt, wer wäre auf Erden, dernicht auch seine Fehler hätte? Wie aber würde es euch wer-den, wenn ein Seher der Zukunft euch offenbarte: Dieser gehtüber einen von ihm verübten Kaffendiebstahl als verzweifelnderSelbstmörder aus der Welt!

Euch freut die frühe Ordnungsliebe des Kindes. Ihr lobet es.Das Kind ist nicht genäschig; es spart an seinen Leckerbissen längerals andere. Es hebt alle Kleinigkeiten sorgsam auf, und findetVergnügen am Einsammeln. Wer sollte dies nicht loben? Werdem lieben Kleinen nicht gern verzeihen, daß er, der so viel Ver-gnügen an seinen Sachen findet, davon andern Kindern sehrungern leiht, da fie Alles verderben? Ihr habet nichts An-gelegeneres, als diesen Geist der Ordnung und Sparsamkeitauch in den kleinsten Dingen zu unterhalten, aufzumuntern.Ihr saget mit ganzer Selbstzufriedenheit voraus: Der wird ein-mal das Seinige zu Rath halten, und nicht verhungern! Aberwie würde euch werden, wenn ein Seher der Zukunft zu euchredete, und spräche: Er wird in Allem kleinlich.sammeln, ohnezu haben, und einst als Geizhals verhungern!

Eine Sünde ist der andern Mutter. Ein Fehler,so klein er sein mag, den wir an uns entschuldigen, führt sichbald einen andern zur Gesellschaft herbei. Darum auch dasGeringste, was in uns unrecht ist, darf demjenigen nicht gleich-gültig bleiben, der eine dauernde Glückseligkeit begehrt.

Es ist in der Natur des Menschen ein so zarter und innigerVerband aller Kräfte und .Vermögen, daß sehr leicht durch dieMängel des einen Theils die freie Thätigkeit aller übrigen ge-hemmt wird, und der Fehler des einen alle andern zum Fehlenbringt. Das Uebergewicht der Einbildungskraft verwirrt leichtdie Urtheile des Verstandes; die falschen Beurtheilungen derDinge lenken den Willen in falschen Richtungen zum eigenenSchaden. Wo hingegen die kalt berechnende Verständigkeit