glaubte ! — Darum will ich ernster über mich selbst wachen, undwas mein Gewissen mißbilligt, bleibe von meinem Herzen fern.Ich will mir auch nicht den unerlaubten Gedanken verzeihen,und überrascht er mich — möge er noch so angenehm reizen,möae er auch auf meine äußern Handlungen nicht den geringstenEinfluß haben — ich will ihn zerstreuen. Denn er entehrt mich,Herr, vor Dir; der erste unreine Wunsch ist immer die ersteWeihe zum nachfolgenden Verbrechen. Was ich selbst zu thunmich schäme, will ich nie mit Vergnügen an Andern bemerken;mein Beifall soll keine Thorheit auf fremdem Boden begünstigen.Ich will mich heiügen, Herr, mein Gott, in Deiner Wahrheit,in Deiner Gerechtigkeit, daß ich in jedem Augenblick meinesDaseins getrosten Muthes zu Dir aufschauen könne. Amen.
20 .
Eine Sünde der Andern Mutter.
Jak. t, tä. 15.
O Du, Du ewig« Geduld,
Vergib, vergib mir meine Schuld,
Denn meine Seel' ist bange;
Du, welcher Tausenden verzieh,
O mein Erbarmer, rette sieVom großen Untergange.
„Aber ein allzuzartes Gewissen, ist es nicht endlich auch desMenschen Last? Stört es ihn nicht im Genüsse der allerunschul-dizsten Freuden?." — So führen gewöhnlich die Menschen ihreSprache, wenn sie sich es mit ihrem Christenthume etwas bequemermachen wollen. Und.wenn sie es nicht aussprechen, so denkensie es doch im Stillen. — Man muß es, sagen sie, doch auchnicht allzustrenge nehmen, sich nicht sogleich wegen Kleinigkeitenmit Selbstvorwürscn peinigen, nicht aus einem leichtsinnigenSchritt, den man wohl, nach der Strenge beurtheilt, andershätte thun können, sogleich eine ungeheure Missethat machen.Wie viele Leute gibt es nicht, die darum recht froh und inmancherlei Betracht sogar recht brav und schätzcnswerth sein