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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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nungen kann ein unbewachter Augenblick in dir entzünden? Bistdu allezeit Meister des süßen Rausches deiner Leidenschaft?Du spielst an Abgründen. Du bist bereit, Mörder an Glück,Ruhe und Ehre der Person zu werden, deren Ehre, Ruhe undGlück dir heute noch über Alles gelten.

Es heißt mit der Sünde tändeln, wenn man an Din-gen, die man zwar selbst nicht billigt, auch nichtthut, Vergnügen findet, wenn sie von Andern ge-schehen. Du möchtest selbst in keiner Gesellschaft boshaftwitzeln, Keinen durch Neckereien betrüben, oder dir zum Feindemachen; aber doch belustigt es dich, die Neckereien Anderer zuhören. Dein Beifall muntert dazu auf. Du möchtest niedeines Mitmenschen Verleumder sein; aber wenn die AndernBöses und Schlechtes von Andern erzählen, so unterhält es dich.Deine Neugier, dein Erstaunen, dein Lächeln, dein mitleidigesAchselzucken ist es nicht Nahrung der Ohrenbläserei? Dubist viel zu edel, um dir anverrraute Geheimnisse auszuplaudern.Nie wirst du zum schimpflichen Verräthcr dich entwürdigen. Aberddch zürnst du cs nicht, wenn Andere dir verrathen, wo sie Ver-schwiegenheit gelobt hatten. Doch hältst du cs für erlaubt, AndernGeheimnisse abzulocken. Ist es edler, Verräther zu machen, oderzu sein? Ist zwischen dem Dieb und seinem Hehler der Unter-schied wichtig?

Es heißt mit der Sünde tändeln, wenn man sich denSchein gibt, böser zu sein, als man ist, um unwür-digen Menschen zu gefallen. Wie oft geschieht cs! undwie oft aus falscher Gefälligkeit und Schonung, ohne eigenenHang! Man beschönigt dann freilich das Ungerechte solchesBetragens, und spricht: Unter den Wölfen muß man mitheulen.Man zuckt die Achseln, und sagt: Aber ich konnte doch nichtwidersprechen. Es schickte sich für mich nicht, da die Tugendpredigen zu wollen. Ich mußte wohl mitmachcn, um nicht dasGelächter und der Spott der Andern zu werden. Aber dasGefühl deines Unrechts bleibt dir noch. Andere schämen sichihrer Flecken, verbergen sich, und heucheln, besser zu sein, alssie sind; du aber schämst dich deiner Reinheit und Unschuld. Ach,