Wirkung eines wahrhaft reinen Herzens? Ist dies die Fruchrdes Christensinnes, der unser Gemüth belebt?
O nein, es ist jener Stolz, den Jesus an den Pharisäerntadelte! Es ist jener Stolz, vor welchem er seine Jünger warntetEs ist jener Stolz, der sich selbst vergöttert! — Und die ihn haben,ach, mit ihrer ganzen Tugend, sie haben ihren Lohn dahin!
Fliehe von mir, Selbstlob, und du, o bethörender Eigen-dünkel, der mich über fehlende Mitmenschen erheben, mich über-reden will, ich könne nie in die Schwäche fallen, wie sie! —Kehre du in mein Herz ein, himmlische Demuth, zarte Bescheiden-heit meines göttlichen Lehrers Jesu! Kehre du in mein Herz ein,stiller Kummer um den Sündigenden, du Kleinod und Erbeweichgeschaffcner Seelen! Nicht daß ich wünschen wollte, wün-schen dürfte, jeden Schuldigen straflos zu erklären, oder ihn denGesetzen der bürgerlichen Ordnung zu entziehen. Nein, werVerbrecher gegen die bürgerlichen Einrichtungen des Landeswird, muß zum Schutz und zur Sicherheit der Guten sich derStrafe des Gesetzes unterwerfen. Aber, und sollte ich vermögemeines Amtes selber den Stab über ihn brechen müssen, dürfteich nicht über den Unglücklichen eine Thräne des Mitleids weinen,wie die Mutter voller Wehmuth ist, wenn sie die Fehltritte einesungehorsamen Kindes strafen muß? —- Die Obrigkeit straftnur die verbrecherische That, in so fern sie der menschlichemGesellschaft Schaden oder Gefahr brachte, aber den Gedanken,den Willen zur That richtet Gott allein; nur der Allwissenderichtet, in wie weit das Herz des Menschen bei Verrgehungen schuldig gewesen. Denn in das Geheimniß der Sterb-lichen, und was sie bewegt, dahin, Allwissender! blickst nurDu! Nur Du richtest: wie dürfte ich Dir gleich thun? Wiedarf ich lieblos verdammen, wo Du vielleicht verzeihst? Wiedarf ich den eines Fehltritts willen verwerfen, welchen Du viel-leicht um anderer Tugenden Willen aufnimmst?
„Auch ich verdamme dich nicht!" sprach Jesus zurSünderin. So will-ich sprechen, wenn ich einen Fehlbaremerblicke. Wer obrigkeitliche Gewalt hat, richte die That; Gottrichtet das Herz! — Aber ich will nicht lieblos den Verirrtem