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Fehler des Geizes verfallen ist. Brüste dich nicht mit einerTugend, die du in andern Verhältnissen vielleicht nicht hattest, unddie du vielleicht verloren hast, ehe deine später» Tage kommen.Wenn die Tage erscheinen, die dich zur Sparsamkeit ermahnen,damit du nicht im unbehilflichen Greifenalter mit den Deinigendarben müssest; wenn dann dies Er sparen und Sammeln irdischenVermögens dir anfangs Freude macht; dann zur Gewohnheitwird, und endlich in wahre Leidenschaft auszuarten droht; wenndu, durch dein Alter stumpf gegen andere Genüsse, durch deinAlter ängstlicher und besorgter für deine und der Deinigen Zukunftgeworden bist; wenn du dann fast keine Freude mehr kennst,als die, welche dir der Anblick dessen verschafft, was dir Thätig-keit und Sparsamkeit gewonnen; und wenn du dann noch lieb-reich gegen Nvthleidende, freigebig gegen Mitbürger, uneigennütziggegen F-reunde bist — wohl, dann hast du ein Recht, dich deinerTugend zu freuen. Aber schwerlich wirst du noch mit so bittermUnglimpf diejenigen verdammen, welche nicht so viel Macht übersich hatten, als du.
Und du, o Greis, dessen Blut nun kälter, dessen Gefühlruhiger, dessen Leib hinfälliger ist, tadle nicht zu bitter die Thor-heit, den Fehltritt der Jugend. Zwar du hast Vieles erfahren,aber nicht Alles. Du warst in vielerlei Lagen und Versuchungenin deinen frühern Tagen, aber du warst nicht in allen!Verdamme nicht die Gluth, weil du kalt geworden; nicht dieUnbesonnenheit, weil dich Erfahrung schüchterner machte. Brüstedich nicht mit Tugenden, die dir vielleicht wenig Ueberwindungund Kampf kosten, sondern nur ein Geschenk deines Alters sind.Die Härte und Lieblosigkeit deiner Uriheile sind nur Beweise, daßdu in einem langen Lebenslauf doch noch nicht Erfahrung undKcnntniß der menschlichen Natur genug gesammelt. — Ach, esdarf Niemand stolz darauf sein, manche Sünde nicht begangenzu haben, die er noch nicht hat begehen können, weil Anlaß,Noth und Gelegenheit fehlten!
Daß wir in der lieblosen Beurthcilung fremder Fehltrittemehr durch geistlichen Stolz auf eigene Vollkommenheiten, alsdurch wahren Abscheu gegen die Sünde selbst geleitet werden,