Denn zu werfen. Wohl dir, dich bewahrte eine bessere Erziehungvor ähnlichen Vergehungen; dich vielleicht, daß Blut und Nervenweniger ungestüm und reizbar gewesen sind; dich vielleicht, daßin einer Stunde, wo du wanken konntest, kein Verführer deineSchwäche benutzte; dich vielleicht, daß du glücklich genug warst,immerdar von sittlichen Menschen umgeben zu sein, die deineEinbildungskraft nicht mit unreinen Bildern befleckten, LeineBegierden nicht in regellose Bewegung, deine Triebe nicht inwilde Gährung brachten. Aber verdamme nicht lieblos die Sün-derin, die eine Beute schlechter Grundsätze, heißen Blutes, nieder-trächtiger Verführer und jugendlichen Leichtsinns ward. Fehlbarist sie; aber wie groß ihre Schuld sei, das kann nurder allwissende Gott richten, der alle zusammen wirkende Ver-hältnisse kennt.
Sanfter Menschenfreund, der du Niemanden weh thun, auchdem Wurm keinen Schmerz verursachen mochtest, tadle nicht denMann, welcher in Uebereilung und Zorn Unrecht gcthan, undEhre, Recht und Menschlichkeit vergaß. Brüste dich nicht mireiner Tugend, die weniger von der. Kraft deines Geistes, alsvon deiner natürlichen Sanftmuth, von der glücklichen Ruhedeines Temperaments zeugt. Wenn irgend eine Krankheit dichreizbar macht, leichter geneigt zur Ungeduld, znr Aengstlichkeieoder zum Zorn; wenn dann eine Stunde kommt, die deinen Jäh-zorn weckt, und der Ungestüm deines Verdrusses alle Vorstellungendes Rechts in dir verdunkelt; wenn dann alle Gelegenheiten dichzur Rache einladen, alle Anlässe dir Werkzeuge in die Hand geben,deinen wilden Empfindungen Genüge zu thun — und du wider-stehst auch dann noch, bist auch dann noch Liebe und Sanftmuth, —dann erst freue dich deines Triumphs! Aber warst du jemals indieser Lage, hast du jemals einen so schweren Kampf mit dir selbstgekämpft, o dann wirst du nicht mehr übermüthig den Bruderverdammen können, welcher in dem gefährlichen Augenblickeschwächer war, als du.
Froher Jüngling, der du in der vollen Kraft deines Lebensnur nach Genuß begierig bist, und Alles Uebrige verachtest —tadle nicht allzuhart und lieblos den betagten Mann, der in den