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18.
Der geistliche Stolz.
8oh. 8/ 2 - 1 t.
Verdammen sollt' ich/ Gott/ den Sünder/Der sich darf Deinem Antlitz nah'n?
Dein Vaterohr hört ihn nicht minder/
Als reine Seraphinen / an.
Dem Schwächsten lächelt Deine Huld/
Den Stärksten trägst Du mit Geduld.
Darf sich mein Ncbermuth erheben/
Wo mein Herz nicht gleich Andern fehlt?
Wer weiß/ ob nicht in ihrem LebenSic Tugend mehr / als mich beseelt!
Wer weiß/ ob mir einst Dein GerichtNicht strenger noch als ihnen spricht.
^sie lese ich in der Schrift jene Begebenheit ohne mannigfaltigeBewegung des Gemüths, da Schriftgelehrte und Pharisäer einunglückliches Weib in den Tempel schleppten, das sich der Untreuegegen seinen Gatten schuldig gemacht hatte. Da stand es vonden frommen Eiferern herbeigcführt, versunken in Scham, derWelt zum Spott und Hohn, mit schuldbewußter Seele. Esftand vor Jesu, dem sündelosesten aller Sterblichen; die Sün-derin vor dem Heiligsten! Sie fühlte ihren Unwerth, ihre Ver-worfenheit doppelt groß in seiner Nähe. Sic wagte nicht, auf-zublicken. Sie scheute eben so sehr, den schadenfrohen Blickender Ankläger zu begegnen, als den Blicken himmlischer Unschuldund Größe Jesu.
Aber der Göttliche sah noch mehr auf das, was im Herzen dertriumphircnden, heimtückischen Ankläger vorging, als auf das,was die Sünderin in diesen Augenblicken empfand. „Moses hatuns im Gesetz geboten, solche zu steinigen; was sagst Du?"sprachen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Und als sie nichtüufhörten, Jesum mit Fragen zu bestürmen, richtete er sich aufund sprach zu ihnen: „Wer unter euch ohne Sünde ist,Dc,r werfe den ersten Stein auf sie!"
Verwirrt und verlegen traten sie zurück. Wie tief war ihrgeistlicher Stolz gebeugt! Wer von ihnen sollte es wagen, den