Aufklärung.
Zweite Betrachtung.
Ephes. r,».
L«nt immer Heller, was beglückt,
Wa< Menschen adelt, hebt und schmückt,Wat jedes Volk und jeden StaatErhoben und erniedrigt hat.
Erleuchtet euer» Geist, daß erStets stärker wert»' und herrlicher;
Was irdisch ist, bleibt in der Zeit,
Der Geist reift für die Ewigkeit»
Oott hat die Begierde nach Erweiterung unserer Erkenntnisse,Len Durst nach Wahrheit uns gegeben. Schon beim Kinde,wenn es noch kaum unsere Worte versteht, zeigt sich ein wunder,bares Streben des Geistes, frei zu werden von den Banden derUnwissenheit. Mit jedem Tage erlernt es mehr; und je mehrcs lernt und sieht, je größer wird des Kindes Wißbegier. Esmöchte Alles erforschen, von Allein den wahren Grund wissen.Diese Neigung zum Selbstdenken dauert unveränderlich fort,und Jeder findet auch im spätesten Alter ein angenehmesGefühl in dem Gedanken, daß er in stimm Kenntnissen, inder Bildung und Stärke seines Geistes Andern nicht zu sehrnachstehe.
Hat nun aber der Schöpfer diesen Trieb nach Licht unv-Wahrheit in uns gelegt: wie dürfen wir dann noch zweifelndfragen, ob Aufklärung des Verstandes überhaupt für den ein-zelnen Menschen, oder für ein ganzes Volk von beseligendemEinflüsse sei? Oder ob nicht vielleicht der Erleuchtung des Ver-standes gewisse Grenzen durch obrigkeitliche Vorschriften gestelltwerden müßten? Oder ob es nicht nachtheilig sei, wenn manauf die Verstandesbildung armer und niedriger Leute eben strviele Sorge anwende, als auf die Bildung wohlhabender undvornehmer Personen und Stände?