Herz zu siegen — du wirst die Freude des Satans empfinden,der die Welt mit neuem Elende bereichert hat. Aber dir selbstfolgt die Reue mit der furchtbaren Geißel durchs Leben — du ent-rinnst ihr nicht — sie ereilt dich, wenn auch erst am Sterbelager!Sie ereilt dich, wenn auch erst vor dem Throne des Todtenrichters.
Raube einem Sterblichen Weib und Kind, stürze sein Wohn-haus in Schutt und Asche, verstoße ihn in eine unbewohnteWüste—aber laß ihm seinen Glauben, seinen Gott, seine Hoff-nungen, und du hast ihn noch nicht elend machen können. Aberzerstöre die Grundsäulen seines Glaubens, erfülle ihn mit seelen-zerreißendcn Zweifeln an Vorsehung und Unsterblichkeit, raubeihm seinen Gott — und du hast sein Dasein zum schrecklichenNichts gemacht, — du hast ihm das Weltall zur Wüste gemacht—er hat sich selbst verloren !
Nein, nein, allgegenwärtiges, höchstes, ewiges, väterlichliebendes Wesen, dessen Athem die Welt beseelt, dessen Gedankedie Welt beherrscht, mein Vater, mein Gott! — nein, ehr-würdig sei mir jede Religion, und auch die Religion des Un-mündigen, und auch der Glaube derer, die nicht so viele Gelegen-heit hatten, Dich auf eine würdigere Weise erkennen und ver-ehren zu lernen.
Nie überrasche mich Eigendünkel und Eitelkeit, daß ich denfrommen Glauben Anderer durch unüberlegte Handlungen undWorte erschüttere. Der Glaube ist eine zarte, schöne Blüthedes Geistes, die sich entwickelt und verschönert, je tiefer undvollkommener der Geist wird, der sie hervortreibt.
So will ich durch Beispiel und Lehre wirken, daß der Ver-stand der Schwachen stärker werde; will ich freudig helfen dieHindernisse Hinwegräumen, welche das Selbstdenken bei Andernerschweren; nur behutsam will ich die Aufklärung des Verstandesmeiner Mitbürger befördem, daß ich kein Uebel baue, wo ichGutes zu gründen glaubte.
Gott der Wahrheit, Vater des Lichts, erleuchte Du abermich selbst durch Deinen heiligen Geist, daß ich immer weiser,edler, heiliger vor Dir werde! Amen.