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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
154
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Wer will Gott vorgreifen? Wenn in den bürgerlichenVerhältnissen ein Unterschied des Ranges und des äußerlichenAnsehens gilt: gilt dieser Rang, dies Ansehen auch vor Gott?-Ist der König auch vor dem Allerhöchsten noch König, derBettler auch vor dem himmlischen Vater ein Gegenstand derGeringschätzung? Nein, vor den Augen Gottes sind wir unsAlle gleich; in der Geisterwelt ist Gott unser Aller Vater, Jesusunser Aller Bruder. Darum hat die Aufklärung des mensch-lichen Verstandes keine andern Grenzen, als welche die göttlicheWeisheit ihr selbst bestimmt hat; darum soll kein Unterschied2er Erleuchtung statt finden unter den Geistern, als welchendie Gottheit selbst in der Natur der Geister schuf. Diesogenannten Grenzen der Volksbildung, und wie viel Wahrheitder gemeine Mann erfahren könne und dürfe, und wie viel nicht,Rann kein Sterblicher vorschreiben denn kein Sterblicherregiert neben Gott die Welt; kein Sterblicher, undwollte er in seinem Wahnsinne solche Gesetze in die Weltbringen, hat Allmacht genug, seinen Willen zum Willen allerfreigeschaffenen Geister zu machen. Er versucht in seiner Ohn-macht nur das Unmögliä-e, und zeigt der Welt die Rohheit undBeschränktheit eigener Einsichten.

Als Jesus Messias die Welt erleuchten wollte, wandteer sich niit den Lehren himmlischer Weisheit nicht vorzugsweisean gewisse Klassen des Volks; er ging nicht stumm vorüver ander Hütte des Landmannes, an der Thür des gemeinen Knechtes,und wandte sich nicht ausschließlich nur zu den Palästen derBornehmern, zu den Höfen der Fürsten, zu den Schulen derGelehrten: nein, aus den niedrigsten, ärmsten Volksklassenwählte der Göttliche seine ersten Schüler und die künftigen Fort-setzer seines erhabenen Erlösungswerkes! Wie er, predigten auchsie Wahrheit und Licht vor den Thronen und vor den Dürftigenim Staube! Ja, der ewige Sohn, vom Vater der Geister-welt gesandt, bewies, waS vor ihm Keiner mit solcher Machtbewiesen, daß die erhabensten Wahrheiten, die hellste Erleuch-tung des Verstandes eben so gut den Niedrigsten wie den Höch-sten im Lande gebühre.