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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
149
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Weit entfernt also, Unwissenheit, Vorurtheil, Aberglauben undirrige Vorstellungen unter den Menschen zu erhalten, will ich alöChrist, als Weiser, als Jünger Jesu mich mit dem großen Strebender gesammten Schöpfung vereinigen; will ich, wie Alles, eben-falls nach meinen Kräften und Umständen hinwirken zur Erleuchtjung des Verstandes, zur Veredelung des Geistes.

Allein dies geschehe mit j-ener Vorsichtigkeit, die dem Christenin jedem Unternehmen geziemt; es geschehe mit jener Behutsam-keit und klugen Wahl der Mittel, ohne welche auch die Arzneisich in Gift und die Wohlthat in Gräuel verwandeln kann.

So ist es nichts weniger als Beförderung der Aufklärung,wenn Unbesonnene dahin treten, und andern Menschen,ohne deren Verstand vorbereitet zu haben, Wahr-heiten mittheilen, welche von ihnen nicht ganz be-griffen, daher leider falsch verstanden, und folglich falschund verderblich angewendet werden. Aufklären heißt denVerstand der Menschen zum Selbstdenken reizen, daß er starkund fähig wird, unter glücklichen Umständen die Wahrheit endlichselbst finden zu können, die wir ihm mittheilen. So thöricht eSwäre, wenn Aeltern ihre unerzogenen schwachen Kinder schon mitulken Wahrheiten vertraut machen wollten, die sie selbst wissen,eben so thöricht ist es, ohne alle Vorbereitung des Verstandes beivielen Erwachsenen, diese mit Dingen und Grundsätzen bekanntzu machen, die sie noch nicht ganz fassen können. Alles hat seineZeit und sein Maß. Auch ungebildete Menschen sind in Rücksichtvieler Dinge nur Kinder, die behutsam angeleitrt werden sollen.

Daher ist es keine Aufklärung, sondern unmenschlicher Leicht-sinn, unverantwortliche Grausamkeit, wenn man gewisseVorurtheil e und nützliche Gewohnheiten und Sit-ten bei Menschen mit Gewalt zerstören will, beiLenen dieselben oft nur wohlthätige Stellvertreter derWahrheit selbst sind. Erst durch die Dämmerung gelan-gen wir aus der Nacht zum Hellen Tagesschimmer, erst durchTrug und Wahn allmälig zur Erkenntniß des Wahren. Willstdu ein Kind belehren, so beginnst du nicht mit dem Höchstenaller Erkenntnisse, wohin du es führen, und welches das Ende