148
Weltreiche gingen unter, aber die Wahrheit siegte ob. Umsonstwar der Zorn der Kurzsichtigen jener Tage gegen die neue Lehre,gegen die Aufklärung des gemeinen Volks — ohnmächtig ver-schwand ihr Hifcr gegen den Ernst der wohlthätigen Vorsehung.Tausend Geschlechter können ins Grab sinken, die Thronen dermächtigen Reiche zertrümmern — aber eine einzige Wahrheit,einmal ausgestreut ins Feld des Geisterreichs, verschwindet nichtmehr. Dies beweiset, daß auch auf Erden schon das Geistigedie Hauptsache ist, und alles Irdische daneben nur eine verweslicheHülse; und daß, wer die Welt mit einer neuen Wahrheit be-schenkt, mehr auf alle Geschlechter und Jahrtausende wirkt, Mder Eroberer zahlloser Erdstriche. Der Jrrthum aber dauert niefort, und stirbt und wird vergessen, weil Gott die Welt nurerschaffen hat, daß sie allen Vollkommenheiten cntgegenreife.Jedes Unvollkommene trägt seinen Tod im Herzen, alles Wahre,Gute und Vollkommene aber die Ewigkeit schon im Keime.
Was thaten die Jünger Jesu auf Erden? Sie gingen auKin alle Welt, und lehrten und predigten den Völkern, und ver-breiteten das Licht der Aufklärung, die von Christo empfangenenWahrheiten, auch unter den Niedrigsten im Volke, bis Kinderweiser wurden, denn die Aeltern, und Handwerker und Tage-löhner erleuchteter, als die Lehrer der Weisheit.
Was thun die Lehrer in unfern Schulen? Was verrichtendie Prediger des göttlichen Wortes auf geheiligten Stätten?Wohin leitet uns der Anblick der Natur? Wohin führt uns derZwang der Noch? Was bewirkt die ganze Weltgeschichte? —Alles, Alles leitet uns zum stillen Nachdenken, Alles zum Selbst-denken, Alles zur Erforschung der Wahrheit, zur Erleuchtungdes Verstandes — zur Aufklärung des Geistes!
Siehe, hier ist Gottes Finger! hier sästmmert das ewigeGesetz der Weltordnung hervor! Und wer kann, ohne Thor zuwerden, sich anmaßen, dagegen rebellisch zu wirken? — O derSchwachen! ihre Mühe ist eitel. Aber wie heute, hat cs zuallen Zeiten dergleichen gegeben, welchen das Licht verhaßt, unddie Erleuchtung und die Hellern Begriffe der Menschen ein Gräuekwaren; aber ihre Mühe war und blieb eitel.