Leines Unterrichts werden soll: sondern du knüpfest deine bessernVorstellungen an die kindischen, schwachen, irrigen Begriffe einesZöglings an, und führst ihn so zum Bessern empor.
Gewiß ist es, daß der gesunde Mensch keiner Krücken zumGehen bedarf; aber nicht alle Sterblichen genießen gleicher Kraft.Es gibt auch Kranke, es gibt auch Schwache — entreiße diesennicht die dir verächtliche Krücke, durch welche ste im StandeAnd, sich so aufrecht zu erhalten, wie du durch die Macht deinerGesundheit!
Ehre daher die alkerthümlichen Sitten und Gewohnheiten jedesVolkes, wenn es durch dieselben beim Mangel hellerer Verstandes-erleuchtung zu manchem Guten geneigt gemacht wird. Habe Ehr-furcht selbst vor manchen nützlichen Vorurtheilm, durch welche derrohe Mensch vom Bösen verhindert und zum Gefühle und zurLiebe des Edlern hingeleitet wird. Dein ausgebildeter Verstandkann sich dagegen sträuben, sie als^Wahrheiten anzunchmcn, aberLein Herz muß von Ehrfurcht für ssfrc Wirkung durchdrungen sein.
Selbst Iesus, der Göttliche, machte nicht allen Vorurtheilen,mcht allen Jrrthümern des jüdischen Volkes, unter welchem erkebte, den Krieg. Er schonte derselben, wo er sie unschädlich fand;er ehrte sie, wo sie nützlich waren. Er machte sie sogar zu demGrunde, worauf er zuweilen bauen wollte. Er schonte, er achteteselbst die unschädlichen Vorurtheile seiner ersten Jünger, und be-handelte sie wie der weise Vater die unmündigen Kinder. Ach,seufzte er, ich hätte euch noch viel zu sagen, aber ihr könnet esnoch nicht ertragen!
Auch der weiseste Mensch hat noch seine Jrrthümer, durchwelche er allmälig zur Wahrheit gelangt: warum wollet ihr dmJrrthum der Schwächer» allein unverzeihlich finden?
Darum hütet euch, Kindern ein heilsames Vorurtheil zu ent-reißen, so lange ihr, wegen der Schwäche ihres Verstandes, odersvegen des Mangels ihrer Vorkenntnisse, nicht fähig seid, ihnenwahrere Vorstellungen bcizubringen. Darum hütet euch, die wohl-chätigen, wenn schon nicht ganz richtigen Meinungen und Vor-Mtheile des unwissenden Volkes zu verspotten, oder öffentlich zuverachten, oder zu bestürmen, so lange ihr dieS Volk nicht vor-