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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
141
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Das unreife Grübeln über die Geheimnisse der Religion oderHber dunkele Stellen der heiligen Schrift bereichert auch nicht dasHerz, sondern nur den Verstand. Wie unglücklich aber würdenwir sein, wenn Dunkelheiten die Hauptsache der uns von Jesu^eoffenbarten Religion sein sollten! Dann würden wir inLanaer Ungewißheit über unsere eigene Religion schweben müssenund über unsere Seligkeit. Dann wäre Jesus nicht für Alle,sondern nur für diejenigen in der Welt erschienen, welche Zeitund Kenntnisse genug haben, sich den Untersuchungen zu ergeben.

Nein, mein Heiland, Du lebtest und starbest auch für die-jenigen , welche ohne höhere Kenntnisse in kindlicher Einfalt anDeinen Lehren festhalten, und die Pflichten, welche Du ihnenvorzeichnetest, gegen Gott, gegen ihren Nächsten und gegen sichselbst mit stillem Gehorsam vollstrecken. Selig sind, die dageistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihnen! (Matth, ö, 3.)

Jenes unbefugte und unvollkommene Sclbstforschen undAuslegen ward in altern wie in neuern Zeiten die Quelle dervielen Spaltungen in der Kirche, der großen Uneinigkeit derChristen, der vielen Religionsparteien, der verdammungswürdigenVerfolgungen und Verketzerungen, der blutigsten Kriege, welchedas Schwert der Christen gegen Christen führte. Nicht überJesu eigene Worte, als vielmehr in ihren besonder» Meinungenüber Jesu Person, entzweiten sie sich und zerfielen. Aber endlich nichtMeinungen machen selig, sondern das Nachfolgen Jesu machtselig, indem wir den Willen thun unsers Vaters im Himmel!

Gefährlicher noch, als das einsame Nachdenken über die denMenschenaugen verschleierten Geheimnisse der Religion, ist dasLehren und Predigen der eigenen Muthmaßungen, oder der ab-weichenden Meinungen. Wer Andern seine besondern religiösenVorstellungen aufdringt, wer Andere in ihrem einfachen Glaubenirre macht, kann ihnen in ihrem Gemüthsfrieden unersetzlichenSchaden zufügen.

Ja, in diesem Gefühle warnte der Apostel Jakobus soernst: Lieben Brüder, unterwinde sich nicht Jeder-mann, Lehrer zu sein; und wisset, daß wir desto mehrUnheil empfangen werden. (Jak. 3, 1.)