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noch nichts wissen konnte, sondern zunächst nur für sein Volk,welches er aus Aegypten geführt, und dem er eine neue Staats-verfassung gegeben hatte. David und Assaph dichteten ihre hei-ligen Psalmen nicht zunächst für unsere christlichen Kirchen,sondern für den Tempel Jerusalems, unter verschiedenen Unr-ständen, bald in Augenblicken der Angst und Noth, bald nacheiner gewonnenen Schlacht über die Feinde Israels. Der heiligeApostel Paulus schrieb anders, wenn er zu den aus demJudenthum bekehrten Ebräern sprach; und wieder anders, wenner zu den bekehrten Korinthern in Griechenland redete, welcheaus dem Heidenthum ganz andere Begriffe ins Christenthumübergebracht hatten, als die ehemaligen Juden. Sprach er zuden Ebräern, so bediente er sich noch ihrer alten religiösen Vor-stellungen laut dem mosaischen Gesetz, um ihnen verständlicher zusein; er verglich Christum mit Aron und Melchisedeck, stellte daslevitische Priesterthum als Vorbild von Christi hohenpriesterlichemAmte dar, oder sprach vom Versöhnungsopfer Christi im Gegen-satz jüdischer Brand- und Sühnopfer. Unterhielt sich der Apostelmit den gewesenen Heiden, die nichts von den israelitischenMeinungen und Zeremonien wußten, so redete er von den Vor-stellungen ihrer Gelehrten, eiferte gegen ihre Neigungen zumGötzendienst und zur Trennung in Religionssachen. Er selbsterklärte ausdrücklich, daß er Allen allerlei geworden, auf daß erViele gewönne für den Glauben an Jesum.
Nur aus diesem Wenigen leuchtet schon ein, wie schwieriges sein müsse, die heiligen Schriften des alten und neuen Bundesin ihrem vollkommensten Sinn aufzufaffen, und wie leicht esdemjenigen wird, in nachtheilige Verirrungen, in falsche Deu-tungen zu gerathen, welcher Ausleger werden möchte, ohne dievielfältigen Hilfsmittel dafür zu besitzen, noch den Beruf.
Das Lesen der heiligen Schrift ist daher nie ohne Vorsicht zuunternehmen. Denn hat es schon der Apostel Philippus nöthiggefunden in seinen Zeiten, den Kämmerer eines Königs zu fragen,der den Propheten Jesaias las: Verstehest du auch, was duliesest? (Ap. Gesch. 8, 30.) so ist diese Frage achtzehn Jahr-hunderte nach Philippi Zeiten um so nothwendiger.