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Die Bücher des alten und neuen Bundes sind weder vongleichen Verfassern, noch unter einerlei Volk, noch zu einerleiZwecken niedergeschrieben worden, sondern sind eine Sammlungvon mancherlei Schriften verschiedenen Ursprungs und Alters,welche die Hauptwahrheiten dessen enthalten, was uns in derReligion zu glauben und zu wissen nöthig ist.
Wenn schon die Verfasser dieser verschiedenen Schriften durchdes heiligen Geistes Kraft beseelt wurden, schrieben sie doch inganz verschiedenen Zeitaltern und für sehr verschiedene Nationen,von denen sie zunächst verstanden werden sollten. Sind wir imStande, ein sehr altes Werk immer ganz deutlich zu verstehen,welches vor mehrern Jahrhunderten nur in unserer eigenenMuttersprache geschrieben worden ist? Wie viele Dunkelheitenbleiben uns darin übrig, wenn wir nichts von der Sitte, demGebrauche und den bcsondcrn Verhältnissen der damaligen Zeitwissen? Und um wie viel schwerer muß der Sinn derjenigenRedensarten zu erkennen sein, die schon vor vielen Jahrtausendengesprochen wurden; in Ländern, die weit entfernt von denunserigen liegen; unter Völkern, die ganz andere Einrichtungen,Begriffe und Ordnungen hatten, als wir in unfern Zeiten! Ohnedie genaueste Kenntniß derselben in ihrem ganzen Umfange istfolglich auch kein gründliches Verstehen und Auslegen jener hei-ligen Schriften möglich. Es kommen darin Anspielungen aufLehrmein ungen oder Sachen vor, die heutiges Tages nicht mehrvorhanden sind; es erscheinen bildliche Redensarten, die damalsJedem deutlich waren, aber die unter neuern Völkern gänzlichverschwunden sind. Ilm die heilige Schrift in ihrer ganzen Voll-kommenheit und in allen Beziehungen zu begreifen, muß mansich erst gleichsam zum Mitbürger jener Volker des Morgenlandesmachen, unter denen sie geschrieben wurden; man muß ihreGesetze, ihre Sprache, ihre Vorstellungen, ihre Neigungen, ihreSitten kennen.
Auch ist der Zweck der verschiedenen in der Bibel enthaltenenheiligen Schriften nirgends der gleiche. Moses sammelte seineehrwürdigen Urkunden nicht für die christlichen Religionsparteienim Abendlande, von deren Dasein er in jenen frühen Zeiten