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Sie drangen erst mühsam in den Geist alter, nicht mehr unterden Völkern üblicher Sprachen ein, um die heiligen Urkundendes Christenthums, die Bücher des alten und neuen TestamentsLn derjenigen Sprache zu lesen, worin sie uns ausgeliefert wordensind. Sie mußten die Geschichte von den Schicksalen, Sitten,Meinungen verschwundener Völkerschaften erforschen, um sichdaraus den Sinn der heiligen Schrift verständlich zu machen.Sie lasen die Erklärungen der ältesten und ersten Lehrer derKirche, welche bald nach Jesu Zeiten lebten; sie lasen die Ver-handlungen und Streitigkeiten aller Religionsparteien,'die seitbeinahe zwei Jahrtausenden über Glaubensangelegenheiten geführtwurden. —Wer maßet sich an, wenn er nicht mit schwärmerischerEinbildung sich selbst als einen Wunderthäter verehrt, gründlicherAusleger der heiligen Schrift sein zu können, ohne alle jenenothwendigen und mannigfaltigen Vorkenntnisse zu besitzen? —Wer will hier, als Unwissender, besser unterrichten und lehren,denn der, welcher durch Amt und Beruf Lehrer des göttlichenWortes ist, und diesem Geschäfte sein-Leben widmete?
Ja, crtheilen wir auch den berufenen und weisen Lehrernder Religion Jesu dasjenige Zutrauen, welches wir dem Arzt,dem Rechtskundigen, dem Baumeister, dem Künstler, dem Hand-werker jedem in seiner Art ertheilcn müssen. Lassen wir unsnicht zu falschen Einbildungen verleiten durch den stolzen Geist desBesserwissenwollens. Die Richtigkeit unserer Vorstellungen, dieEinfalt unsers Glaubens, oft der Friede unsers Gemüthes wirddas traurige Opfer dieser eigenmächtigen Untersuchungen undAuslegungen, wozu uns so viele unentbehrliche Mittel fehlen.
Es ist nicht wohl anders möglich, als daß Menschen, welchenicht einen besonder» Beruf daraus gemacht haben, die heiligenSchriften zu erklären, und daraus Wahrheiten des Glaubenshell und lauter zu schöpfen, in nachtheilige Jrrthümer gerathen.Unbekannt mit der Sprache, in welcher sie verfaßt worden sind,lesen sie nur Uebersetzungen, welche das Werk von Sterblichenwaren, die in der Deutung der Ausdrücke leicht fehlen konnten.Sie können auch schon durch bloße Mängel der Uebersetzung inJrrthümer gerathen, welche der heiligen Schrift sonst fremd sind.