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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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Es liegt überhaupt in der menschlichen Natur ein auffallenderHang zum Wunderbaren. Weit entfernt, diesen Hang imAllgemeinen zu verdammen, wie oft geschieht, finde ich seineQuellen sehr ehrwürdig. Falsche Urtheile mögen allerdings ausMangel richtiger Einsicht und Erkenntniß der Dinge entstehen;aber der Hang zum Wunderbaren ist höhern Ursprungs undedlerer Abkunft. Er ist dem Sterblichen angeboren. Er istrrur eine tadelnswürdige Entartung des Triebes zur ReligionBedürfniß eines Glaubens an ein Wesen, welches erhaben überder Natur steht, und wundervoll auf das Weltall und denZusammenhang desselben eingreift. Hätte der Mensch keinunüberwindliches, unvernichtbares Bedürfniß zur Religion, ihmWürde auch das Wohlgefallen am Wunderbaren fehlen; ohneHang zum Glauben an das Ucbernatürliche würde nie die Sehn-sucht nach dem Höhern und Geistigen in ihm sein.

So ist der Aberglaube, unter welchen Gestalten er sich auchzeigen mag, bei allen Menschen, bei den unerlcuchteten Heiden,wie bei den besser belehrten Christen, nichts als eine Entartungder uns von Gott gegebenen Sehnsucht nach ihm und einer über-irdischen Welt; eine unmäßige Begierde, ein voreiliges Vcr-muthen, daß auch der menschliche Geist mit der überirdischenWcltordnung schon hienieden in unmittelbarer Berührung stehenkönne, und daß im Spiel der Zufälle wie im Ganz der Naturnichts Bedeutungsloses geschehe, sondern jederzeit etwas Gött-liches herrsche, was zur Seele des Menschen reden wolle.

Da dem Sterblichen aber immer an dein am meisten gelegenist, was er wünscht von der Zukunft zu empfangen, und seineBegierde nicht gesättigt werden kann, läßt sich daraus die Nei-gung wohl erklären, daß er in den meisten Verirrungen seinesAberglaubens auch die Zukunft und ihre Geheimnisse zu errathentrachtete. Daher die Zcichcndeutereien, Wahrsagereien, Traum-auslegungen, die ehemals unter den Heiden so üblich, und selbstden Israeliten nicht fremd waren, obgleich Moses und alle ihmNachfolgenden gotterleuchtcten Männer so laut gegen diesen Miß-brauch des Verstandes, gegen diesen, Gott und seine Natur ent-ehrenden, Wahn eiferten.