Und in eben diesem Alter, da andere Menschen von der Gewaltder Leidenschaften am meisten bewegt werden, wo Sinnenreiz,Hang zum Vergnügen, Geldbegier, Ehrsucht, den Geist nurzu oft in Fesseln schlagen, trat er hervor, majestätisch, wie einWesen aus einer andern Welt, Sieger über jede Leidenschaft,Vollbringer seines eigenen Wortes, und Keiner war ihm gleich.Er verschmähte die angebotene Feldherrnwürde, den ihm amgebotenen Davidischen Königsthron — er sprach von einemhöhern Reiche, das er zu gründen komme. Wenige begriffenihn anfangs; aber er wandelte, lehrte und stegte, und sagteder Welt und seiner Lehre alle Schicksale mit einer Festigkeitvoraus, als lägen vor seinen Blicken die Bücher des ewigenVerhängnisses aufgeschlagen. Und was er vorausgcsagt hatte,was keiner seiner Zeitgenossen erleben konnte, was nur derspäten Nachwelt als falsch oder richtig zu beurtheilen übrig blieb:das erfüllte sich wunderbar, wörtlich im verworrenen Spiel derBegebenheiten von Jahrhunderten und Jahrtausenden !
Ein solches Reich Gottes auf der Erde zu begründen:welch ein Zeitraum von Lehre und Arbeit gehörte dazu! Wieviele Lehren von Andern wurden vergessen, die ein halbesJahrhundert in den volkreichsten Städten der Welt unter-richteten! Wie viele Staaten zertrümmerten in wenigen
Monden, welche nur durch die anhaltenden Arbeiten einerlangen Reihe von Jahren entstanden waren! — Und Christuspredigte meistens in einsamen Gegenden; seine ganze Arbeitszeitbetrug kaum mehr als drei Jahre! Er starb als ein jungerMann, in der schönen Blüthc eines göttlichgros! vollendetenLebens!
War dieser ein Irdischer? — Wahrlich, in ihm offenbartesich die Gottheit dem menschlichen Geschlechts wunderbar, wiein allen ihren Werken. Er kam von Gott, der Gottessohn,und Gott war mit ihm.
Wie gern würde ich vom Lebenswandel dieses Unbegreiflichenmehr wissen mögen! Aber seine frühem Begebenheiten sindunbekannt geblieben. Diejenigen, welche die Geschichte Jesuaufzeichneten, Evangelisten genannt, begnügten sich, nur seinH. L