Druckschrift 
2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
106
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«ichern Stande um so lieber, da er den Schmuck und Glanz'der Aufklärung anm'mmt, und gewissermaßen Ansehen gibt, weilJeder gern den Ruf eines helldenkenden Geistes haben möchte.Ihn unterstützt ein Schimmer von Kenntnissen und Anspruchauf Witz. Ihn begünstigt die gern nachäffende Modesucht, indemJeder an Aufklärung, Einsicht und Erhabenheit über Pöbel-vorurtheil dem Andern gleichstes» oder ihn übertreffen will; dieEitelkeit, zu glänzen, sich auffallend oder achtbar zu machen,ist mächtiger als das Gefühl des Rechten und Guten, und wirftendlich, um das Aeußerste zu thun, selbst die Wahrheit in denRanz der Vorurtheile hinab, und erhebt das blinde Nichts-wissen und Nichtsglauben zur Höhe der alleinigen Weisheit.

Sehr viel zur Erzeugung des Unglaubens, das heißt zurVerachtung religiösen Fürwahrhaltcns übersinn-licher Gegenstände, eines Glaubens an Gottheit, Ewigkeit,Bestimmung des Geistes und menschliche Tugend, trug der stei-gende Sinn für Wohlleben und Ueppigkeit bei. Der Mensch,geneigt, sich ungebunden seinen Launen und Begierden zu über-lassen, fand es unbequem, durch ernstere Gedanken in seinenAusschweifungen gehemmt zu werden. Wenn er seinen Gottnicht himvegläugnen konnte, war es ihm doch behaglich, wenigan ihn zu denken, oder sich einzubilden, der Beherrscher desWeltalls bekümmere sich nicht um das Treiben der einzelnen seinerGeschöpfe. Wenn er auch eine Unsterblichkeit der Seele allenfalls, für möglich hielt, war es ihm doch gemächlich, über ihre Bestim-mung in der Ewigkeit sich damit zu beruhigen: wir wissen nichtsdavon; es kam noch keiner der Tobten zurück mit der Offen-barung dessen, was uns dort erwartet; vielleicht scheiden wirauch dahin für immer, wie Pflanze und Thier; in keinem Fallemüsse man sich dadurch das hiesige, flüchtige Leben verbitternlassen; man sehe überall wohl, daß die Natur das Geschlechtuicht aussterben läßt, hingegen täglich, daß das Einzelne umvider-kehrlich vergeht. Wenn er auch nicht wegläugnete, daß JesusChristus ein großer Weiser gewesen sein mag, war es ihm dochbequem, sich einzubilden, er sei kein Sohn Gottes, kein Gesandtervom ewigen Herrn des Ger'.icrreichs an das Menschengeschlecht