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ES ist aber jedem Menschen unendlich leichter, zu glaub en,als zu thun. Daher finden sich ihrer viele, die das Herr,Herr! sprechen, aber so wenige, die den Willen des himmlischenVaters vollbringen. Zum Glauben der geoffcnbarten Wahrheitenwird nur ein geneigtes Herz erfordert, willig die empfangeneLehre der Wahrheit aufzunehmen. Aber zum reinen, tugend-haften Leben vor Gott gehört nicht nur die Neigung des Herzens,den Willen des Höchsten zu vollstrecken, nicht nur die Ueber-zeugung von her Größe und Wichtigkeit der Pflichten, welchewir gegen Gott und Menschen zu beobachten haben, sondernSelbstüberwindung, Bekämpfung unserer lasterhaften Gewohn-heiten, unstrer liebsten Gelüste, unserer Launen, Veränderungunserer tadelnswcrthen Denk - und Handlungsart.
Wie aber kann dieser träge, unfruchtbare Glaube denMenschen selig machen? Wie kann durch ihn die Absicht Jesuerfüllt werden, daß wir bessere, frömmere, liebevollere Menschensein sollen?
Du sprichst: „Ich glaube an Gott und liebe ihn!" — abern»d kannst du deinen Bruder hassen? Warum, wenn deinBruder einen Fehler gegen dich beging, schnaubest du nachRache? War dies Jesu, deines Meisters, Wille?— Du sagst:»Ich glaube an Jesum Christum!" — Warum bist du nicht seinNachfolger in allen Gesinnungen und Werken? Warum lassestSu deinen Gesinnungen den Zügel schießen, statt sie zu bezähmen,wie er, der Heilige, es gelehrt und befohlen hat? — Du sagst:»Ich glaube an ein ewiges Leben!" — Warum bereitest du deineSeele nicht vor, in demselben ein schöneres Loos zu erhalten?Warum zitterst du nicht vor dem strengen Richter der Tobten?Warum lebst du, als würdest du in dieser Welt nie aufhören zuleben, als wäre für dich kein Grab, kein Gericht? — „Duglaubst, daß ein einiger Gott sei," spricht der Apostel Jakob us(2, 19), „du t^ust wohl daean; die Teufel glauben es auchund zittern. Willst du aber wissen, du eitler Mensch, daßDer Glaube ohne Werke todt sei?"
Wer da hofft, schon durch den Glauben gerecht zu werdenDurch Gott, und in dem Glauben an Christi Verdienst und