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ihn selbst von geheimen Vergehen zurück. — Noch mehr, es istnur allzugewiß, daß es Augenblicke gibt, wo kalte Ueberlegunzaufhört, wo in der Gluth der Leidenschaften die besten Vorsätzeverschwinden, wo die bloße Erinnerung an das Pflichtmäßigenicht mehr hinreicht, uns in der Tugend zu erhalten. Da bedarfder schwache Sterbliche einer mächtigen Stütze, um nicht zufallen und der Raub einer Sünde zu werden, die er nachhervergebens bereuet. Und diese Stütze, diese Schutzwaffe gegendie Gewalt der Versuchung ist sein Glaube. Wenn seine Ver-nunft unterliegt, rettet ihn dieser noch.
Zwar, wenn ich das Gute thue, soll ich es nicht thun, umdafür einen Lohn zu erwarten auf Erden oder im Himmel —eine solche Art zu denken wäre keine Tugend, sondern nur Eigen-nutz; auch sehe ich ein, daß ich mit allen meinen gerechten Hand-lungen dennoch vor Gott immer als ein Sünder dastehe, undDamit nichts verdient habe: aber doch würde ich den Muth zurTugend selbst endlich verlieren, wenn nicht der Glaube an Gottund Ewigkeit mich aufrecht hielte. Denn wäre kein Gott, erwartetemich kein unsterbliches Dasein: so wären alle Aufopferungen,die ich zur Vervollkommnung meiner Seele mache, alle Leiden,die ich der Tugend willen übernehme, eine Thorheit. Ichwürde, wäre ich nur geboren für diese kurze Lebenszeit, besserthun, dafür zu sorgen, hienieden meine wenigen Tage so an-genehm zuzubringen, als ich's könnte. Wozu sollte ich meineSeele mit Tugenden schmücken, wenn sie, gleich dem Leibe, imGrabe verwesen sollte?
Daher wird cs mir sonnenhell, wenn Jesus spricht: «Wernn mich glaubt, der wird selig werden!" — Ach, ich fühle es,ohne diesen Glauben ist kelne Beruhigung, kein Trost, keinFrieden, keine Hoffnung, keine Seligkeit. Darum hat unsChristus das größte Heil erworben, indem er uns in sein ewigesReich einführte. Alle guten Werke, selbst die Thaten einesEngels, können für sich allein nickt zu solcher Freudigkeit er-heben.
Aber indem ich des Glaubens wunderbar beseligende Gewaltanerkenne, darf ich damit den Werth der Tugend nicht ver-