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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
72
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sahen treulos wurdet! Verzeihet euern Kindern, wenn sie sittlichsind im Aeußern, aber unrein in ihrem Innern, wohin euer Blicknicht reicht; verzeihet ihnen, wenn sie euch öffentlich ehren undeure Befehle vollstrecken, aber euch im Stillen verspotten undim Geheimen den Gehorsam aufkündigen, wo sie euch nicht zufürchten haben! Dies sind die unvermeidlichen Wirkungen einerErziehung ohne Religiosität, einer Tugendempfehlung ohne denstarken Grund eines frommen Glaubens!

Der Glaube allein heiliget! nicht das bloße Wollender Vernunft, die für sich selbst im Sturm empörter Leidenschaftenzu schwach ist. Der Glaube heiliget! Das heißt, die Ueberzcugungvon unserm Beruf zu höhern Bestimmungen, die Ueberzeugungvon einem Vergelter jenseits des Grabes ist allein fähig, unsereTugend zu mehr al-s bloßer Lebensklugheit zu machen; unserHerz auch dann rein von Sünden zu erhalten, wenn es sicher ist,von keinem Menschen beobachtet zu werden; unfern Edelmuthauch dann emporzuhalten und unsere Rechtschaffenheit zu bewah-ren, «venn wir, einer guten That willen, Schmach und Ver-achtung und Verfolgung von Menschen zu erwarten hätten.

Dies ist die Macht des christlichen Glaubens, die er überallund immer über unser Herz übt. Was sind unsere besten Thatenzuletzt ohne ihn? Schöne Bruchstücke einss guten Willens, ohnefesten Zusammenhang. Daher waren selbst die Weisesten undTugendhaftesten der alten Völker vor der Erscheinung Jesu nichtganz ohne Glaubenslicht. Ach, wo wir mit Zuversicht beten, hoffen,wissen, hatten sic nur dunkle Ahnungen, zweifelvolle Wünsche.Aber auch schon dieser Schatten eines Glaubens bewog sie, dieTugend, welche sie lehrten, mit Strenge zu üben, öffentlich wie imVerborgenen, und wenn es sein mußte, mit Darbringung allerLebensfreuden, mit Hinopferung ihres Selbstes in Gefahr und Tod. '

O Christen, Genossen der Offenbarung und des Heils, dasuns durch Jesum ward, sollen die Heiden selbst mehr Glaubengehabt und geübt haben, als ihr, die ihr mit jenen Weisen derVorwelt in Geistesbildung und Aufklärung wetteifern möchtet?Christen, Genossen der himmlischen Erleuchtung, sollten dieHeiden heiliger» Gemüths gewesen sein, als ihr?