Verbrecher; deine Tugend ist ja nur Wahnsinn, durch welchendu dein Glück vernichtest, das du im Leben haben könntest; dasschlaue Verbrechen, welches sich Alles erlaubt, und jeden Kitze!stillt, ist wahre Weisheit, denn es gewährt doch auf Erden froheAugenblicke, und hat vor keinem Weltrichter zu beben.
Sterblicher, du schauderst? Ahnest du nun die Hoheit desGlaubens, den Jesus der Göttliche offenbarte? Fühlst du nundie Nothwendigkeit eines Glaubens, der alle Widersprüche derWelt in Harmonie auflöset; eines Glaubens, der deiner Ver-nunft, deinen Tugenden und Pflichten erst den wahren Werthund Zweck gibt? Wird dir die Wahrheit hell, wie sie der ApostelJesu zu den Hebräern sprach: Wer zu Gott kommen will, dermuß glauben, daß er sei?
Ohne Glauben ist keine wahre Tugend möglich,weil Tugend mehr ist, mehr sein soll, als die bloße Lebens-klugheit. Was ihr Rechtschaffenheit oder Sittlichkeit nennet, istnur am Ende ein vorsichtiges Benehmen gegen die Welt, damitsie euch dulde, oder liebgewinne, und mit Ruhm und Annehm-lichkeiten das Hiersein verschönere. Aber jene Tugenden, welcheJesus Christus fordert, Tugenden, welche euern Geist veredeln,müssen unabhängig vom Irdischen auch dann geübt werden,wenn ihre Allsübung mit den schwersten Opfern verbunden ist;müssen auch dann in gleicher Kraft bestehen, wenn kein Sterb-licher sie bemerkt. Ohne Glauben aber ist solche Scelengrößenicht fähig zu reifen. Ohne Glauben an die geoffenbartc Ewig-keit und die Unsterblichkeit des Geistes wäre solche sich selbst hin-opfernde Tugend eine Thorheit, eine Handlung ohne Absicht undZiel. Ohne Glauben sehen wir nur Scheinheilige, die öffentlichdie Schminke der Tugend tragen, aber im Geheimen sich jedesLaster verzeihen. Wer nicht den Blick des Allwissenden zu fürch-ten hat, kann wohl der Scharfsicht aller Sterblichen spotten.
Gehet hin, vernachlässiget den religiösen Glauben eurer Kinder,und begnüget euch, ihnen Edelmuth und Rechtschaffenheit theuerzu machen! Aber vergesset nicht, wie gebrechlich alle edeln Grund-sätze sind gegen den Strom mächtiger Leidenschaften; erinnerteuch an euer eigenes Schicksal, wie oft ihr euern besten Vor-