Druckschrift 
2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
59
Einzelbild herunterladen
 

59

7.

Die Kraft des Gebetes.

i. Thess. 5/ t7.

Wenn meine Freuden mich verlassen,

Wenn meine Sterne all' erblassen,

Wenn all' mein Glück in Nacht zergeht,

Dann ist mir wohl noch im Gebet.

Wenn Freunde ihre Treue brechen,

Und wenn mich Lästerungen stechen,

Und wenn mich Niemand hier versteht.

Ist mir noch wohl in dem Gebet.

Ja, zu Dir, mit gefaltcnen Händen,

Will ich mich, Barer, flehend wenden;

Ach, über Welt und Grab erhöbtSteh' ich vor Dir in dem Gebet.

^^er Betende, wenn er aus der Fülle seines Herzens zur umendlichen Weisheit Gottes spricht, ist in der feierlichsten und größ-ten Verrichtung seines Lebens begriffen. Es ist kein irdische-Geschäft, es ist ein himmlisches. Er tritt aus dem Reiche derVergänglichkeit in das Reich des Geistes, in seine wahre Heimathüber, und übt das Höchste aller Rechte, das einem Bewohnerdes Erdballs gegönnt ist Unterhaltung mit dem Allerheiligsten,dem allerhöchsten Wesen.

Alles betet; nicht der Christ allein, auch der ärmste Wilde anden Ufern unbekannter Ströme Indiens demüthigt sich vor Gott.Und richtet er gleich sein bittendes Wort nur zu steinernen Götter-bildern, oder zu den Gestirnen des Himmels sein Seufzer giltdem unergründlichen, höchsten Geist, der die Welt, und die Sterb-lichen und ihre Schicksale beherrscht. Das Herz des Wilden istVoll Religion, wenn gleich Dunkelheit seine Erkenntniß umgibt.

Der Betende, voll inbrünstiger Andacht hingesunken imStaube, Hände, Blicke und Seele emporgehoben zur Gottheit,gewährt einen Anblick, welcher auch den rohen Wüstling bewegtund seinem Gemüth Ehrfurcht einflößt. Er muß es bekennen:dieses ist besser und größer denn ich!

Alles betet. Und dieses Bedürfniß menschlicher Seelen,sich zu dem Urquell ihres Daseins zuruckzuwenden, ist wie eine