Druckschrift 
2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
57
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Was uns die Eigenliebe oft wünschenswerth macht, hört es aufzu sein, wenn wir es im Gebete Gott vortragen. Da, in der Näheseiner Heiligkeit, erröthen wir selber über den selbstsüchtigen Wunsch,Das Gebet heiligt uns. Gibt uns überdem das Gewissen auchvor Gott noch ein gutes Zeugniß, dann stärkt es uns mit Kraftund Zuversicht, und beruhigt uns über das Gelingen. Die Ruhemacht uns besonnener. Wir hüten uns wohl, durch unbedacht-same Uebereilungen, zu denen wir vielleicht schon geneigt wären,und wozu uns eine Begeisterung verleitet haben könnte, das Gutezu verderben, was wir vor Gott als gut erkannten.

Wir hüten uns, durch Heftigkeit, Zorn und andere Arten derLeidenschaftlichkeit das zu beflecken, was im Gebet vor Gott zueinem Heiligthum geworden ist. Diese Vorsichtigkeit ist dieFrucht des Gebetes; wir würden ohne Gebet nicht zu dem Gradevon Zuversichtlichkeit, ohne Zuversichtlichkeit nie zu solchem Gradevon Ruhe gelangt sein, mit der wir nachher zum Werke schritten.In einer Aufwallung des Gefühls kann man zuweilen viel leisten;aber dergleichen Begeisterung ist vorüberfliegend. Das Geberdagegen bringt meistens, statt des Aufloderns der Empfindungen,den stillen Ernst anhaltender Entschlossenheit hervor.

Da nun der größte Theil von den Schicksalen, welche wirerleben, die Folgen unsers eigenen weisen oder unweisen Denkensund Thuns sind; da Weisheit und Herzensgute ganz andere Schick-sale bereiten, als Unüberlegtheit, Wankelsinn und Gemüthsschlech-tigkeit; da das Gebet, der Umgang mit dem höchsten Wesen, dieSeele heiliget, erhebt, mit Zuversicht und Ruhe erfüllt: so ist derEinfluß des andächtigen Gebetes ohne Zweifel auf den Gangmenschlicher Schicksale der entscheidendste und wohlthuendste. Esläßt sich mit Zuversicht behaupten, die Schicksale vieler berühmtenMänner, die Schicksale unserer persönlichen Bekannten würdendurchaus von ihren jetzigen verschieden gewesen sein, diese würdenin vielen Dingen anders gehandelt haben, wenn sie hätten im Geistund in der Wahrheit beten, das heißt, ächt religiös sein können.

Von dieser Ueberzeugung voll, will ich denn nun keine be-deutende Unternehmung anfangen, ohne mich deswegen vorherim Gebete zu Gott gewendet zu haben. Da, im Angesicht seiner