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Beispiel der Ehrfurcht und Dankbarkeit gegen den ersten Geber.Als Tausende um ihn standen in der Wüste von Bethsaida, under Brod und Fische unter sie vertheilen wollte, sah er erst aufgen Himmel und dankte darüber. (Luk. 9, 15.)
Klügling, wer war erleuchteter: Jesus, der die Menschheitaller Jahrtausende aufklärte, und vor dem die edelsten Weisenandachtvoll schweigen, oder du, der seine Weisheit aus einigenwitzigen Unterhaltungsbüchern schöpfte? Vornehmer, wer warvornehmer: Jesus, vor dem die Könige der Welt ihre Knieanbetcnd im Staube beugen, oder du, der etwas mehr Ansehenhat, als dein Nachbar?
Freilich, ein andachtloses Gebet ist Entheiligung eines derehrwürdigsten Menschcngeschäfte. Kannst du nicht mit Andacht,Liebe und Vertrauen beten, es wäre besser, du schwiegest. Denndeine todtcn Worte gehen nicht zum Himmel; sie verletzen dieEhrfurcht gegen den Allmächtigen. Und es ist wahr, daß all-tägliche Gewohnheit endlich auch das herrlichste Gebet zu einemseelenlosen Geplapper macht. — Besser, du schweigest, als daßdu also betest.
Wie aber ist zu verhüten, daß das alltäglicheHausgebet in todtes Gewohnheits- und Lippen-werk entarte?
Auf zweierlei Weise wäre es möglich. Entweder daß, statt derauswendig gelernten Gebetsformeln, aus irgend einem Andachts-buche täglich oder wöchentlich abwechselnd, nie aber die gleichenTisch-, Morgen - und Abendgebete vorgelescn würden, oder daßein auswendig gelernter Dcnkspruch feierlich ausgesprochen würde,der zur Andacht, zur Dankbarkeit, zum innern Gebet ermahnte,ohne selbst ein Gebet zu sein.
Das Vorlesen aus einem Gebetbuch ist allerdings von großerWohlchat für das Gemüth. Nicht immer ist der Mensch fähig,aus sich selbst den würdigsten Gedanken für den Augenblick zudenken. Das vorgelesene Gebet erweckt uns durch einen neuenGedanken, und entzündet da eine Andacht, wo sie unter Zer-streuungen erloschen war. Es bereitet uns zum stillen, innernGebet. — Aber eben deswegen sollte das Vorzclesene immer neu