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im menschlichen Leben, keine Ehrfurcht für das Edlere in dirselbst. Du versetzest dich in die Reihe der klügsten Thiere —Mensch, Halbengel, Unsterblichkeitsgenosse zu sein, verstehstdu nicht!
Wenn du betest, gehe in dein Kämmerlein, undschließe die Thür zu, und bete im Verborgenen.(Matth. 6, 6.) Dies sind die Worte Jesu; so empfahl er dashäusliche Gebet.
Man läugnet es nicht, doch aber scheut man sich in vielenHaushaltungen , auch in Gemeinschaft mit seinen Kindern undHausgenossen zu beten — nicht gern des Morgens, nicht gernzum Mittagessen, nicht gern des Nachts, wenn man der Ruhezueilt. Es fehlt nicht an allerlei scheinbaren Vorwänden undAusflüchten, um es zu vermeiden oder sich zu entschuldigen.
Viele verlangen es gar nicht zu entschuldigen. Sie findenes altväterisch, unanständig, gegen feinere Sitte und Aufklärungverstoßend; nicht vornehm genug, weil es unter den sogenanntengemeinen Leuten üblich ist. Wie? wer ist vor dem Schöpfergemein ? Wer ist vor dem Todtenrichter mehr, der Mann mitder Tonne Goldes oder mit der Bettlerkrücke? — Wahrlich,das sage ich euch, wo der sogenannte Ibmeine Mann nochfreudig betet: da ist noch Sitte, Recht, Treue, Tugend undWahrheit aller Art im Volke; da ist noch angestammteMenschenwürde und innere Kraft im Volke, und eine Muthigkeit,die über Menschenfurcht geht. Wehe euch, ihr dünkelvollenSelbsisüchtlinge, ihr Großsüchtigen und Aufklärungsstolzen,denen nicht Klugheit, aber Vernunft, nicht Lebensart, aberGewissen, nicht Kenntniß, aber die Tiefe ächter Weisheit fehlt; —wehe euch, ihr einbildungsreichen Menschen ohne Vaterland,ohne Glück, ohne Ewigkeit: durch euch ist das Unglück derVölker gekommen! Durch euch wird des Jammers genug in eureHäuser dringen.
Christus betete mit seinen Geliebten und Schülern, wenn ersich zum Tisch niedersetzte. Er nahm das Brod und dankte Gott.(Matth. 26, 26.) Er betete nicht nur mit seinen Vertrauten,nein, er gab ohne thörichtes Schämen auch Fremdlingen das