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reichst, verschiedene vorher unbekannte Fehler in dir entwickeln,und deine Selbstbekämpfung wird immer neuen Stoff finden.Der tugendhafte Jüngling wird oft ein lasterhafter Mann; diefehlerloseste, reinste Jungfrau eine schlechte Mutter, ein aus-schweifendes Weib; der wackerste Mann oft ein mürrischer,unzufriedener, geiziger und ungerechter Greis; die löblichste Frauim Alter eine ungläubige, verleumdungs r und betsüchtige, Zwie-tracht stiftende Unholdin. Jedes Lebensalter der Menschenhat ganz eigenthümliche Anlagen zu vorher minder reizendenSünden.
Setze dir alsonicht imerstenFeuer derAndachtund Tugendliebe vor, sofort die höchste einem Men-schen möglicheVollendung zu haben. Du würdest dirmehr vornehmen, als ausführbar ist; du kennst weder dich selbstgenug, noch was dir die Zeit bringen kann. Indem du zuvielvon dir versprichst und verlangst, bist du der unausweichlichenGefahr prcisgcgeben, bei Wahrnehmung fortdauernder Fehler-haftigkeit den Muth auch zum Kleinern zu verlieren. — Be-kämpfe zunächst den mächtigsten deiner Fehler; duwirst stark wider alle sein, wenn du sie einzelnangreifstund vertilgst. Und solltest du jemals wider deinenWillen unterliegen, halte dich darum nicht für besiegt, undden Triumph für unmöglich, der deiner harret. Und hast dudie unreinste deiner Sünden von dir entfernt: halte dich darum^ nicht für den vollkommenen Sieger. Die falsche Neigung kehrtfrüher oder später einst in anderer Gestalt, vielleicht schmeicheln-der und verführender als jemals, zu dir zurück — wehe, wennvu in allzugroßer Sicherheit noch spät als ihr Opfer fällst!
Wachet und betet! — Wachet über die sündlichen Regungenbei jedem Anlässe; betet, denn die Unterhaltung im Gebet mitdem Allerhöchsten stärket das menschliche Herz am meisten zurHeil-'gkeit.
Wachet und betet; der Geist ist willig,.aber das Fleisch istschwach! — O mein Messias, o mein Erlöser, der Du in derbangsten Deiner irdischen Lebensnächte Deinen Jüngern diesbedeutungsreichs Wort sprachst, wie tief empfinde ich dessen