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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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könnte. Sein Ehrgeiz wird wieder rege. Der Anblick gewisserPersonen erweckt wieder mancherlei Gefühle, die er selber nichtbilligt, und die offenbar mit seinen heiligen Vorsätzen streiten, einvon allen Fehlern freier Gottesmensch zu sein. Nun erst beginntder große Kampf; nun erst, bei kälterm Blute, wird schwer,was anfangs in der großen Gemüthsbewegung, in der frommenInbrunst des Gebets leicht zu sein schien.

Es ist kein überspannter Wunsch, ein besserer Mensch zuwerden : aber wohl ist es Uebertreibung, zu verlangen,von Stunde an der beste zu sein, und gleichsam mit einemneuen Geiste in einem neuen Leibe zu wandeln, und Jesus zugleichen in Schuldlosigkeit und Seelenadel. Solch ein Wunschfreilich ist verzeihlich durch seine Schönheit. Er kann zuweilen inder allerruhigsten Gemüthsstimmung und mit der Ueberzeugunggefaßt werden, er sei bei standhaftem Wollen allerdings ausführ»bar. Dennoch scheitert nachher der starke Entschluß, der mit allerKaltblütigkeit gefaßt wurde, an Hindernissen, die man nicht inBerechnung gebracht hatte. Anders ist der Mensch bei stillenUebcrlegungen, anders, wenn er in Lagen kommt, wo sein Blutunwillkürlich aufwallt, jede seiner Nerven gereizt wird; wo sein-:Galle sich ergießt und ihn zornig macht, oder wo die Freude ihn,wie mit einem Rausch, behängt. Dann ist es, wo die schwerenStunden der Versuchung und des Kampfes schlagen; dann, wodie Gründe der Vernunft vor den aufstrebenden, heftigen Begier-den versinken; dann, wo die großen Vorsätze plötzlich zu Schan-den werden. Ach, wer ist, der nicht schon in solche Lagen desLebens kam!

Was ist denn die gewöhnliche Folge bei dem Anblick unsererSchwachheit? Oft bittere Reue, tiefster Unwille über unsselbst. Dann werfen wir uns mit zerknirschtem, reuigem, buß-fertigem Sinn vor dem allgegenwärtigen Gott im Gebet hin;rufen seine Gnade und Vergebung um Jesu willen an; geloben,fortan wachsamer über uns zu sein, und schwören entschlossenerund feierlicher, denn jemals, nie wieder der Sünde zu unter-liegen. Und wir gehen in das gemeine Leben hinaus, tretenan die Berufsgeschäfte , verkehren wieder mit andern Menschen