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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
37
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von mancherlei Art, vergessen uns oft bei den ersten Kleinig-keiten, bekämpfen oft mit Glück wieder starke Versuchungen zurUngerechtigkeit, halten uns schon triumphirend für Sieger, genießenschon in unserer Einbildung die Freude, vollendete Jünger Jesu,wahrhaft gottselige Wesen zu sein ach, und nach Wochen undTagen ein einziger unbewachter Augenblick, und wir sind mittenin unserer Sicherheit wieder die Beute der alten Sünde geworden!

Dann fangen wir an, n-'cht nur die Möglichkeit zu bezwei-feln, den höchsten Grad von Heiligkeit, deren ein Mensch aufErden fähig ist, zu erreichen, sondern selbst die Möglichkeit,überhaupt nur besser zu werden. Der Ueberspannthcit unsererersten Vorstellungen und frommen Entschlüsse folgt gemeiniglichdie größte Abspannung. Wir verlieren allen Muth zum Kampf;bereden uns selbst, daß wir als Sterbliche auf keine Vollkommen-heit und Aehnlichwerdung mit Jesu zählen dürfen; suchen unsdamit zu trösten; werden gegen unsere Verbesserung gleichgültiger;lassen es nun damit gehen wie es kann und will; beruhigen uns,so gut wir können, mit dem Gedanken: ich habe meines Theilsdas Möglichste versucht; hoffen auf die göttliche Nachsicht; thunbeiläufig alles Gute, so weit cs uns eben nicht zu schwer fällt;verzeihen uns selbst die Fehler, die uns kein Anderer verzeihenmöchte; unsere Eigenliebe kommt uns zu Hilfe, und flüstert: dubist gewiß noch keiner von den schlechtesten Menschen, es thunAndere wohl viel ärger als du; man rückt in der Verwilderungdes Herzens unmerklich vor; nennt, .was manchem unserer Mit-menschen wohl schon ein Laster scheint, bloße Schwachheit, undendigt damit, jenen heiligen Gemüthszustand, da wir die Rein-heit Jesu Christi zu erwerben trachteten, eine Schwärmerei derJugend, eine Thorheit des Alters zu heißen.

Dies ist die große Gefahr, von der gewöhnlich, ach, nur all-zugewöhnlich, plötzliche, fromme, aber übereilte Entschließungenbegleitet zu sein pflegen. Darum ist es eine eben so gemeineErscheinung, unedeldenkende Menschen zu sehen, welche sich Alleserlauben, und die in früher» Jahren religiös-schwärmerische Leutewaren, als Personen zu sehen, die in der Jugend Wüstlingewaren, und im spätern Alter Andächtler wurden, und mit ihren