Körperschmcrzen mit Gleichgültigkeit tragen, gleichsam die Seelegegen sie unempfindlich machen kann.
Inzwischen läßt sich auch nicht läugnen, daß der Geist nichtselten wieder durch körperliche Zustände so überwältigt und soniedergedrückt wird, daß er sich durch eigene Kraft nicht wiederaufrichten.kann. Er bleibt muthlos, verzagt, und in der bloßenBeklommenheit des Gemüths schreibt er die Ursache seines Uebel-befindens oft lieber sich selbst, als dem Körper zu, an welchemer wenigstens äußerlich keine Spuren der Kränklichkeit wahr--nehmen kann. Diese Verstimmung nimmt oftmals eine religiöseRichtung, und dann wird der heilige, tröstende, stligmachendeGlaube eine neue Oual des Menschen. Man martert sich un-aufhörlich mit geheimen Vorwürfen wegen begangener Sünden,verzweifelt an der Barmherzigkeit des grundgütigen Gottes,wird in eben dem Augenblick gottlos, da man nach Gottseligkeitringen möchte, und verzehrt sich in folternder, unauflöslicherZweifelsucht und Angst.
Darum lasset uns forschen und suchen unserWesen und uns zum Herrn bekehren! (Klgl. Jerem.L, 40) wie der Prophet spricht. Es ist keine wahre Bekehrungmöglich, ohne vorhergehende genaue Selbsterkenntniß. DasGrundübel zu unserer Verderbtheit liegt nicht immer in unscrerErziehung, in Unwissenheit des Verstandes, in bösen Angewöh-nungen, in Verführung durch verwerfliche Beispiele; sondtraauch wohl in ein-er verborgenen Zerrüttung unserer körperlichenGesundheit. Aus dieser entspringen größtentheils unsere heiternoder düstern Gemüthszustände, und selbst alle unsere Vor-stellungen nehmen davon eine hellere oder dunklere Farbe an.
Wie sehr wir von den Zuständen unsers Körpers und seinesTemperaments abhängen, im Urtheilen wie im Handeln, be-weiset die tägliche Erfahrung. Der Kränkliche, Gallsüchtige isthärter, unfreundlicher, zanksüchtiger, polternder, mißtrauischer.Wie er selbst ist, so denkt er sich seinen Gott als einen zornigen,eifrigen, unversöhnlichen Gott. Durch Hebung seiner Krank-heit und ihres Reizes wird auch seine Denkart verändert; erwird freundlicher, gefälliger, nachsichtiger, und stellt sich auch
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