ist,- werk leichter und freundlicher, als am Abend, wenn dieKräfte unsers Körpers erschöpft sind. Wir beurtheilcn oft eineund dieselbe Sache ganz anders, wenn wir in der Stille derNacht daran denken, als wenn es des Morgens geschieht.
Eine leicht veränderliche Gemüthsstimmung zeugt immer voneinem lebhaften und reizbaren Temperamente. Doch ist sie beiweitem nicht ein so großes Unglück, als wie Tage und Wochenund Monate lang anhaltende traurige Verstimmung. Diesemacht uns das Leben selbst zur Qual, und zu vielerlei Gutemunfähig.
Die Ungleichheit unsers Gemüthszustandes hat sogar wesent-lichen Einfluß auf unser Christenthum. Bei heikerm Sinn sindwir wohlwollend gegen Jedermann; bei düsterer Laune abergehässiger, auffahrender, heftiger, liebloser im Urtheilen, Redenund Handeln.
Ist es uns mit der Nachfolge Jesu, mit unserer Besserungaufrichtiger Ernst: so können wir keinesweges gegen die Ver-änderlichkeit unserer Gemüthszustände gleichgültig bleiben. Esmuß eine unserer wichtigsten Angelegenheiten sein, über diesenGegenstand nachzudenken; die wahren Quellen unserer Nieder-gcschlagenheir aufzusuchen; uns zu bemühen, dieselben hinweg-zuschaffen. Denn jede ängstliche, traurige Stimmung der Seeleverhindert uns nicht nur, Alles, was uns umgibt, in seinerwahren Beschaffenheit zu erkennen, sondern macht uns, oftwider unfern Willen, ungerecht, dem Guten abhold, dein Bösengeneigter, zuweilen sogar gottlos, und verbittert den Genußdes Lebens.
Der menschliche Geist, gehoben durch die Religion Jesuist großer Macht über sich selbst fähig. Sein starker Wille kannvielmals allein hinreichcn, finstere Launen zu zerstreuen, und' jene stille Heiterkeit wieder zu gewinnen, welche zum Genüsse desLebens, wie zur Vollstreckung der uns obliegenden Pflichten ambesten dient; jene stille Heiterkeit, zu welcher die heilige Schriftihn auffordert, indem sie spricht: Seid allezeit fröhlich! Ja, esist durch Erfahrung bewiesen, daß, vermöge eines starken Wrllensallein, der Geist selbst die schwersten Leiden, die empfindlichsten