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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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Dies Volk naht sich zu mir mit seinem Munde, undehret mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fernvon mir." (Matth. 15, 7. 8.)

Religion ist das heilige Verhältnis', in welchem der Sterb-liche zur Gottheit steht. Nicht ein bloßes Erkennen dieses Ver-hältnisses ist Religion, nicht ein bloßes Beobachten gewisseräußerlicher Zeichen der Ehrfurcht vor dein höchsten Wesen istReligion; sondern, da Gott ein Geist ist, muß der Geist desMenschen von der Verehrung des Allerheiligsten durchdrungensein, und sich in Betrachtung, oder Gebet, oder frommenThaten über alles Irdische zum Geist der Geister erheben.Diese Erhebung des Geistes zu Gott, diese Auflösung in ihm, istAndacht. Ohne diese Andacht ist keine Religiosität möglich, alleReligion, aller Glaube, alle Erkenntnis, alle Gottesverehrung,alles Gebet, alles Wohlthun vergeblich und ein ganz todtesSpielwerk.

Jesus kannte die Tiefe des menschlichen Gemüths und dessenSchwächen. Darum sind seine Worte, die er vor beinahe zweivollen Jahrtausenden sprach, noch bis zur heutigen Stundetreffend; lind was er im Lande Genezareth predigte, wirdmitten unter uns als wahr erfunden, als wenn er es in unsermVaterlande zu den Leuten des heutigen Tages gesagt hätte.Sehet die Menge der Christen unserer Zeit! Höret die Auslegerder Bibel auf den heiligen Lehrstühlen, wie genau sie die Worteder Schrift kennen, wie scharfsinnig sie die Reihe menschlicherPflichten entfalten, oder die Geheimnisse des Glaubens. Aberbetrachtet ihr inneres Leben und ihr übriges Wirken. Sie habenes mit dem Predigen, mit den übrigen kirchlichen Verrichtungenabgethan, als wären und thäten sie, was sie sind und thun,nur von Amts wegen. Sie haben die Erkenntniß, aber nichtden Geist ihrer Religion. Höret, wie die Leute fleißig beten anMorgen und Abenden und zu Mittag, im Hause, wie in derKirche, wie über den Gräbern der Todten, wie in also geheißenenErbauungsstunden. Sehet, wie fleißig sie zu den Tempeln Gotteseilen, und darin ihre Plätze einnchmen; doch auch dort oftSein bürgerlichen Range nach, nicht wie Kinder im Vaterhause