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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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mit dem Gefühl der Gleichheit, und daß vor Gott nicht giltdas Ansehen der Person! Sehet, wie eifrig sie hineilen zumGenuß des Abendmahls, zur Messe, zur Predigt, zur Taufe;wie sie die Augen senken oder erheben, die Hände falten ; wiesie mit Strenge daheim die Fasten beobachten, oder das Leseneines Kapitels aus der Bibel! Aber könntet ihr zugleich dabeidas Innerste ihres Gemüthes durchschauen, ihr Leben im Hauseoder im Amt, das Spiel ihres Eigennutzes oder ihrer Eitelkeit!Sie haben alle äußerlichen Werke deS Gesetzes, alle menschlichenOrdnungen und Einrichtungen beobachtet, aber die göttlichenVerordnungen nicht. Sie haben die Schale, aber der Kern isttodt; sie haben den Buchstaben, aber nicht den Geist. Sie sindund thun, was sie sind und thun, nicht mit Andacht. Darumhaben sie zwar eine Religion, aber keine Religiosität. DiesesVolk ist es, von welchem der Messias sprach: Es nahet sich zumir mit seinem Munde, und ehret mich mit seinen Lippen, aberihr Herz ist fern von mir.

Wohl haben dies unter den Christen viele empfunden, undsie sehnten sich nach dem Bessern. Daher sonderten sie sich vonder Menge ab, und bildeten im Schoost der christlichen Kircheneue, frömmer sein wollende Gemeinden, neue Sekten. Sieverfielen aber meistens nur in den entgegengesetzten Fehler. Nichtihre Tugenden, nicht ihre gottseligen Werke vermehrten sich,sondern ihre Betstunden; es wuchs die Zahl ihrer Andachts-übungen , aber nicht ihre A ndach t. Christus und seine Jüngersonderten sich nicht ab von den übrigen bessern oder schlechtcrnGottesverehrern, sondern sie beteten mit den andern Juden inden Tempeln und Synagogen. Es kommt nicht darauf an, inwessen Gesellschaft man betet, oder mit welchem äußern Anstandman betet, sondern wie und mit welchem Gemüth man betet.Viel beten mit frommem Schein, oder bei jeder Gelegenheitden Namen Gottes auf den Lippen tragen, oft bei ganz un-schicklichen Anlässen; aus Ehrfurcht vor dem Allgegenwärtigensich aller unschuldigen Vergnügungen enthalten; in äußerlicherZucht und Ehrbarkeit sich Wohlbehagen, wobei doch das Herzoft vom Neid, vom Zorn, oder von Begierden anderer Art