Druckschrift 
2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
4
Einzelbild herunterladen
 

4

du dein Inneres? Weißt du, welcher Keim der Todeskrankheirin deiner Brust verborgen schläft? Weißt du, welche unschein-baren Zufälle dich aus der Thür des Lebens Hinausstoßen können?Betrachte die Gräber des vergangenen Jahres: ste bedecken auchdie Asche manches Jünglings, manches Mädchens.

Ihr schaudert bei dem Gedanken zusammen? Ihr möchtetihn aus euerm Sinn entfernen? Nein, er ist doch jeder Seelewichtig. Haltet ihn einen Augenblick fest; denn der Weise bedenktvon Allem, was er beginnt, das Ende. Du bist in ein neuesJahr eingctreten; es geziemt dir, an den möglichen Ausgangdesselben zu denken; es geziemt dir, dich an diejenigen zu erinnern,welche in dem vergangenen Jahre von der Erde verschwanden,und sich mit dir dieses Tages nicht mehr hienieden freuen. Denkean das Ende dessen, was du beginnst.

Jeder macht jetzt für das neue Jahr neue Entwürfe. Jedermacht für seine häuslichen Geschäfte, für seine bürgerlichen Versrichtungen neue Plane. Jeder macht sich von dem, was er indiesem Jahre thun will, neue Hoffnungen. Jeder bildet sich vonden Schicksalen, die er vielleicht in diesem Jahre erleben wird,neue Erwartungen. Gleichsam mit der ersten Stunde des neuenJahres wachten eine Menge neuer Wünsche in unserer Brustauf. Selten im Jahre ist der Gedanke des Menschen an dieZukunft so lebhaft, als in den ersten Tagen desselben.

Und warum dies Alles? Was wollen zuletzt alle diese Ent-würfe und Hoffnungen, alle diese Plane und Erwartungen, allediese Wünsche und stillen Seufzer? Nichts, als daß Jeder damitseine Sehnsucht nach eigenem Glück ausdrücken könne-

Darum sorgt der arbeitsame Hausvater in die Zukunft hinaus,uin für sich lind die Seinigen sein Vermögen zu vergrößern. Darumentwirft die zärtliche Gattin und Hausmutter im Winter die Ge-schäfte des Frühlings und Sommers, um sich das häusliche Lebenzu verschönern. Darum verdoppelt der Geist seine Anstrengungen,um höhere Ehre, größeres Ansehen zu erschwingen. Darunr baut, die Einbildungskraft der Jugend prächtige Träume zusammen.

Wohl denn, diese Wünsche und Erwartungen sind verzeihlich;tiefer neue Fleiß zur Vermehrung des Wohlstandes ist löblich-