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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
477
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So sind wohl Viele, welche es ganz falsch verstehen, wennbildlicher Weise von Gott gesagt wird, er sei gnädig, langmüthig,und werde von der Reue des Sünders endlich zuin Erbarmenbewegt. Sie denken sich ihn als einen guten, doch schwachenMenschen, der gar ungern zürnt; der, weil er nicht weiß, ob sichsein Untergebener noch bessern wird, Nachsicht mit ihm hat, bisendlich auch die Geduld bricht; dann aber dennoch von seinemersten Vorsatze, den Fehlbaren zu bestrafen, wieder durch Seufzer,Thronen und Bitten zurückgebracht und versöhnt werden kann.Dergleichen falsche, unanständige Begriffe haben den bösestenEinfluß auf das menschliche Herz. Daher sieht man Viele sick-unbesorgt den Ausschweifungen hingeben: sie hoffen, es bei Gottwohl abbitten zu können. Sie zählen auf seine Langmuth, alshätten sie mit einem Menschen zu thun, den man täuschen kann.Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten! Er weiß seit Ewig-keit, was euer künftiges Thun und Lassen sein werde; daher istalle Täuschung unmöglich. Ihr leget dem höchsten Wesen mensch-liche Gefühle und Schwächen bei, aber ihr machet euern Gottnoch schwächer und unweiser, als ihr selbst seid. Denn wenn ihrzum Beispiel mit Gewißheit von einem Mörder und Räuber seineUnverbesserlichkeit wüßtet: würdet ihr Nachsicht mit ihm haben,und ihn frei herum morden und rauben lassen? Gott aber, derAlles kennt- ohne von Langmuth oder Erbarmen, von der Freudeoder Schmerz bewegt zu werden, hat den Lauf der Dinge ge-ordnet, und Alles so, daß Alles seine Zeit hat, und Alles seinZiel zum Segen des Ganzen, zum Untergang des Bösen.

Es sind noch Viele, welche aus Mißverständnis! bildlicher Aus-drücke von der Liebe Gottes in dem Jrrthum leben, Gott könnegrößeres Wohlgefallen an einem, als am andern Volk, größeresWohlgefallen an einer Religionspartei, als an der andern haben.Da hört man dann oft in einem Lande Gebete zum Gott derHeerschaaren um Sieg über ein anderes Land; da hört man oftfeindselige Gebete gegen die Ungläubigen, die Ketzer, und wieinan sonst noch Leute von andern Glaubensparteien im Hassebezeichnet. Aber Gebete, wie diese, wahrlich, sie sind keineEottcsverehrungen, sondern Gotteslästerungen! Was würde ein