Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
468
Einzelbild herunterladen
 

Erhöhung andächtiger Gefühle, zumal bei öffentlichen Ver-sammlungen, von erster Wichtigkeit sind. Und da der Zweckohne die Mittel nicht erreichbar ist, wird cs heilige Pflicht derFürsten, der Obrigkeiten, der Geistlichen, der Gemeinden undjedes einzelnen Bürgers, dem Religion und Verbreitung undBeförderung derselben heilige Angelegenheiten sind, Alles zuentfernen, was die Feierlichkeit und den Eindruck öffentlicherGottesverehrung vermindert, und Alles beizutragen, was denZweck gemeinschaftlicher Versammlungen im Tempel befördert.Die Wichtigkeit solcher Pflicht, und wenn sie schon nicht durchsich selbst einleuchtend wäre, würde schon aus dem Ernste JesuChristi erhellen, mit welchem er selber im empörten Unwillendie Tische der Geldwechsler, der Taubenverkäufer und Andererumstieß im Tempel, die zur Bequemlichkeit der Opfernden damit ihrer Waare saßen. Mein Haus ist ein Bethaus; ihr solltes nicht zur Mördergrube machen!

Reinlichkeit, Einfalt, Ordnung, Regelmäßigkeit in denUmgebungen kann gar oft mit Glück mangelnden Glanz ersetzen,und da, wo Alles heiter und edel das Gemüth anspricht, vergißtman gern die Majestät der Pracht. Alles Kleinliche, Spielende,Geschmacklose, noch mehr das Ekelhafte oder Anstößige in Ver-zierung , das Unanständige oder Lächerliche in Gemälden, mußverbannt sein. Besser die höchste Einfachheit, selbst Schmuck-losigkeit, als bunte Ueberladung eines Gotteshauses mit Schmuck-wcrk, wodurch die Aufmerksamkeit fremden Dingen zugezogenwird. In Worten wie in Tönen der Gesänge herrsche dasEdelste, was die Kunst auf dem Altar der Religion geopfert hat;Feierlichkeit und Größe in jeder Musik; dazu in den Bewegungender Menge stille Ehrfurcht vor dem Allgegenwärtigen, zu wel-chem sich die Andacht der Gemeinde wendet. Fern sei aufjenen heiligen Stätten, wo König und Bettler gleich stehen,als Kinder des gleichen Gottes, der thörichte Rangstolz, diegefallsüchtige Prunksucht, die umhergaffende Neugier, die Ver-letzung der Achtung, welche man jeder Versammlung, wäre sieauch nicht so heilig, schuldig ist, und die Verletzung des gemein-sten Anstandes durch Unterbrechung der feierlichen Stille mit