und Würde nöthig, denn kein Haus von Steinen gebaut um?schließt den Allgegenwärtigen, und kein glänzender Staub ehrtund verherrlicht die Größe dessen, der das unendliche All derWelten aus Nichts hcrvorsteigen hieß: aber die Gefühle derEhrfurcht, wenn sie wahr und lebendig in unserer Brust sind,sprechen sich doch gern sinnlich aus, und werden alsdann erstbestimmter und gewaltvoller. Gott versteht auch das unhörbareGebet der Gedanken; dennoch können wir uns nicht enthalten.Ln Worten zu ihm zu reden und unsere Stimme flehend zuerheben. Wir sind als Menschen immerdar Kinder, und dieSKindliche unsers Wesens vor dem himmlischen Vater ist gewißauch ihn: wohlgefällig. — Nicht um Gottes willen sind jeneTempel da, jene Altäre, jene Gesänge, jene Gebete. Ach, waskönnten wir empfinden, bringen, sagen, das seiner würdig wäre,das uns nicht durch ihn geworden wäre? Nein, Alles ist unfert-willen, daß wir dadurch heiliger, frömmer, gottverwandterwerden. Unser Körper ist der Träger der Seele, unsere Sinn-lichkeit die Krücke des Geistes, die Kirche mit ihren feierlichenAnstalten die Dienerin und Stütze innerer Religion.
Vernunft und Gefühl verschmelzen in einander, wenn dieKraft des Glaubens daS Gemüth durchdringt. Christenlhum istkein bloßes, todtes Vernunftwesen, keine kalte Verstandessacheoder Klugheits- und Sittenlchre, kein Gaukeln der Einbildung,kein Spielen erregter Gefühle. Religion ist der Einklangaller im Menschen wohnenden Kräfte zur reinsten Harmonie;sie ist das helle Auflodcrn der Flamme unsers Gesammtlebens.Gleichwie die Wahrheit das Höchste ist, das die Vernunftrhrt, so ist das Schöne dem Gefühl das Höchste. So sollensich denn in der Religion das Wahre und Schöne vermählen,und die Kirche soll für unsere Sinnlichkeit gleichsam Abspiegelungund Verkörperung unsers innern Heiligthums sein; auch derTempel, auch die Feierlichkeit der Gotresvcrehrung sollen dasGepräge des Sinnlichwahren, des Geistigschönen führen.
Das ist der sogenannten schönen Künste höchster Triumph,wenn sie zur Vergöttlichung des Gemüths wirken, und denGeist gleichsam auf den Schwingen reinster Sinnlichkeit über alles