Sinnliche hinwegheben. Auch offenbart sich ihr wundervollerZauber nirgends mächtiger, als wenn sie Begleiterinnen derAndacht sind.
Die edle Bauart einer hohen Kirche allein schon mit ihrenhochgeschwungenen Hallen ist fähig, deine Seele mit sanftenSchauern zu erfüllen. Und wenn du zu ihren Pforten eintrittst,und du schon ein betendes Volk im Staube hinkniend erblickst,wird dennoch die große Einsamkeit, die allgemeine Stille, dieEinfalt und Regelmäßigkeit des ganzen Werkes dich zur An-betung mahnen, und vom Geräusch und Getümmel desalltäglichen Lebens abscheiden, als ständest du im Vorhof einesandern Lebens. Das allein schon vermochte die stumme Kunstdes Baumeisters über dein Gemüth, che dich das Beispiel einerbetenden Menge, oder die Gewalt des gepredigten Wortesbegeisterte. Wenn Bildhauerei und Malerei, diese edeln Schwe-stern, sich weise im Tempel vereinigen, deine Empfindungenzu entzünden; wenn dich das Sinnlich-Erhabene an dasGeistig-Hohe, und die stille Kraft der Umgebungen unwillkürlichan die Majestät der Gottheit im Ueberirdischen erinnert: wirstdu läugnen, daß das Aeußere in gottesdienstlichen Feierlichkeitenmehr als entbehrliche Nebensache sei? oder behaupten, daß derAnblick eines schmutzigen, baufälligen Versammlungsortes, mitplumpen, oft ekelhaften Zierrathen versehen, oft mit anstößigenGemälden und Zerrbildern behängt, dich zu eben so feierlichenStimmungen leite?
Mächtiger ergreift noch die Tonkunst. Es sind nur wenigeMenschen, welche gegen ihren Reiz unempfindlich bleiben. Diesewunderbaren Klänge, welche in mannigfaltiger Ordnung unsbald zur Freude, bald zum betrachtenden Ernst, bald zumTriumph, bald zur Schwermuth einladen, sind eine wortloseSprache der Gefühle zu fühlenden Wesen; rufen Erinnerungenaus längst verlornen Vergangenheiten zurück, und geben unsSehnsucht und Hoffnung in künftigen Fernen, die wir kaumzu deuten verstehen. Im den Zeiten der Urwelt schon war dieTonkunst eine der vornehmsten Begleiterinnen der öffentlichenGottesverehrung; noch heute ertönen Davids Psalmen in allen