das crnstlichste gewarnt. Wir dienen mit diesem Lippenwerkweder Gott noch uns selber. — Wir entstellen damit die allein-seligmachende Religion, und entweihen das Allerheiligste, indemwir das wahre Ziel vergessen, vollkommener zu werden, wieunser Vater im Himmel vollkommen ist, und hingegen das, wasein bloßes Mittel sein soll, zum Hauptzweck machen.
Von der andern Seite verfallen diejenigen in einen entgegen-gesetzten Fehler, welche den öffentlichen Gottesdienst der Christenversäumen, um lieb-er P r i v a t b e t st u n d e n, sogenannteFro mm e n - Z u sam menkü n ft e und Erbauungs-stunden, zu besuchen, oder welche doch dergleichen besondereZusammenkünfte den öffentlichen aller guten Christen gleich setzen.Denn dadurch wird die cingeführte gute Ordnung gestört, obrig-keitliche Einrichtungen werden bei Seite gesetzt, Absonderungenund Trennungen in der christlichen Kirche veranlaßt, und mehroder weniger parteiische Gesinnungen eingeführt. Zudem weißman leider aus vielfachen Erfahrungen, daß in der Länge derZeit solche der Erbauung gewidmet sein sollende Zusammen-künfte gewöhnlich entarten und zu mancherle i M i ß bräuche nunerwartet verleiten. Aber Parteigcist und Spaltungenin die Gemeinschaft aller Christen bringen, die öffentliche Ord-nung vernachlässigen, ist falscher Gottesdienst. Wenn diejenigenRecht thun, welche sich absondern, um sich nach ihrer Weise zuerbauen, so würden auch alle klebrigen Recht thun, wenn sie aufandere Weise das Gleiche thäten. Womit würde das aber inallen Ländern enden? Im allgemeinen Zerfall des öffentlichenGottesdienstes, in gänzlicher Trennung der christlichen Kirchedurch religiöse Klassen und Parteiungen. Oder wenn diejenigenRecht thun, die in besonder« Zusammenkünften sich erbauen:würden diejenigen Unrecht thun, welche sich mit dem eingeführtenöffentlichen Gottesdienst begnügen? Wer möchte dies behaupten?
Nicht aber in den vervielfältigten Betstunden und erbaulichenZusammenkünften, nicht im täglichen Lesen und Hören des gött-lichen Wortes, besteht die wahre Nachfolge Jesu; sondern, wieder Heiland selber spricht, darin, daß wir den Willen thundessen, der ihn gesandt hat. Der Wille Gottes aber besteht