157
darin, daß wir aus Liebe zu Gott immer liebreich und hilfsamgegen alle Menschen handeln.
Wir müssen unter Gottesdienst niemals etwas Anderes ver-stehen, als Gottesverehrung. Denn wir können Gott nichtdienen, nicht nützen, weil wir Alles erst durch ihn empfangen.Aber verehren können und müssen wir ihn, weil er dasVerehrungswürdigste im Weltall ist; weil et der Vater unscrsLebens, der Lenker unserer Schicksale, der Geber alles Segens ist.
Es ist keine Gottesverehrung gedenkbar, ohne dabei innigeAndacht zu empfinden. Andacht heißt im Allgemeinen aberan das denken, was man thut; wenn man an das denkt,was man thut, hat man beständig den Zweck vor Augen vondem, was man verrichtet. Willst du Gott würdig verehren, sodenke zugleich daran, warum du ihn verehrest. Willst du beten,so denke an den, zu welchem sich dein Gebet erheben soll, undstelle dir lebendig vor, was du betest. Alle Zerstreuung, alleGeistesabwesenheit im Gebet und in der Verehrung Gottes istEhrfurchtlofigkeit vor dem Herrn. Wie kann man Jemandenmit Unehrerbietigkeit verehren?
Ist aber in deiner Gottesverehrung wahre Andacht und In-brunst : so wirst du nicht länger glauben, daß schon das bloßeKirchenbesuchen, Gebetplappern und Mitmachen äußerlicher,gottesdienstlicher Gebräuche hinlänglich zur Verehrung Gottes undzur Erwerbung seines Wohlgefallens sei. Du selber wirst fühlen,daß dich alle Sakramente nicht von Sünden reinigen, dir keineGnade und Vergebung bei Gott erwirken, wenn du selber keineGnade und Vergebung mit Inbrunst verlangst. Du verlangstsie aber nicht ernsthaft, so lange du nicht den festen Vorsatz hastund ausführst, dich hinfort vor allen neuen Vergehungen zu hüten,welche dich vom Wohlgefallen Gottes entfernen. Nur durch deninnigen Glauben an Jesum können wir selig werden; aber eöglaubt Keiner an Jesum, der nicht seine Gebote hält.
Ist in deiner Gottesverehrung wahre Andacht, ist es nichteine bloße Zeremonie, sondern ist es dein Geist, der Gottverehrt: so wüst du durch Erfüllung seines Willens ihn amherrlichsten verehren. Sein Wille aber ist, daß du meidest, wasI. 20